Die Suche nach außerirdischer Intelligenz richtet ihre Antennen seit Jahrzehnten auf den Himmel. Radioteleskope lauschen nach Signalen, Detektoren fahnden nach kurzen Lichtblitzen. Beide Methoden setzen voraus, dass eine Zivilisation genau jetzt sendet. Ein Team des SETI Institute um Lewis Pinault wählt einen anderen Ansatz: Hinterlässt fremde Technik materielle Reste, die ihre Erbauer um Milliarden Jahre überdauern? Als Fundort schlagen die Forscher:innen den Mond vor.


Ein Archiv aus vier Milliarden Jahren

Auf der Erde tilgen Wasser, Wind und Plattentektonik fast jede alte Spur. Der Mond besitzt weder eine dichte Atmosphäre noch fließendes Wasser. Seine Oberfläche sammelt seit rund vier Milliarden Jahren Staub aus dem Sonnensystem und dem interstellaren Raum. Einschläge durchmischen den Regolith, löschen ihn aber nicht. Pinault hält einen Teil dieses Materials für älter als den Mond selbst und fragt, ob darunter mikroskopische Bruchstücke von Technik stecken.


Winzige Körner auf langer Reise

Das Team hat berechnet, ob technische Partikel den Weg zwischen Sternsystemen überstehen. Für besonders robuste Körner mit einem Radius von etwa 0,3 Mikrometern ergeben sich Überlebens- und Transportzeiten von rund 0,1 bis einer Milliarde Jahren. Interstellares Gas und energiereiche Teilchen zerstören viele Körner, Strahlungsdruck und Heliosphäre sieben weitere aus. Nur ein kleiner Anteil erreicht das Erde-Mond-System langsam genug. Beim Aufprall schmelzen oder verdampfen viele Körner bei hoher Geschwindigkeit. Das Modell sucht deshalb kein intaktes Bauteil, sondern berechnet, ob eine Probe überhaupt aussagekräftiges Material enthält.

Ein Kubikmeter als Prüfstein

Für den Anfang genügt den Autor:innen ein Kubikmeter Regolith. Findet die Analyse darin kein künstliches Partikel, schließt das Szenarien aus, in denen sonnenähnliche Sterne über die Geschichte der Milchstraße mehr als etwa 0,1 Erdmassen langlebiges Material verstreuen. Automatisierte Mikroskopie und KI-gestützte Bildanalyse sortieren auffällige Körner nach Form, Textur und Geometrie vor und verkleinern die Zahl der Kandidaten für aufwendige Laboruntersuchungen. Materialanalysen und Tomografie müssen anschließend natürliche Minerale, Einschlagsprodukte und Rückstände menschlicher Raumfahrt abgrenzen. Proben könnten die Missionen Artemis und Chang’e sowie kommerzielle Mondflüge liefern.

Ein Nullfund beweist noch nichts

Die Studie meldet keinen Fund. Sie liegt als Preprint vor, die Begutachtung im International Journal of Astrobiology läuft. Die möglichen Grenzen taugen vorerst nur für extrem materialintensive Systeme, deren Aktivität weit über dem menschlichen Maßstab läge. Eine Obergrenze für die Zahl technischer Zivilisationen ergibt sich daraus nicht. Für Mikropartikel, die jemand gezielt auf das innere Sonnensystem gerichtet hätte, stiegen die Nachweischancen im Modell, doch dieses Szenario setzt eine absichtliche Aussendung voraus. Ob Mondproben tatsächlich verwertbare Spuren enthalten, klären erst systematische Untersuchungen.

via SETI

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