Theorie und Praxis klaffen leider oft weit auseinander, doch die berühmte »Was-wäre-wenn-Frage« kann durchaus ganz reale Veränderungen einleiten. In diesem Fall wollten Wissenschaftler die Frage klären, ob sich europäische Großstädte vollständig regional ernähren ließen. Ins Visier nahmen sie die vier Metropolen Berlin, London, Mailand und Rotterdam. Bei der deutschen Hauptstadt erhielten sie besonders ermutigende Ergebnisse.


Regionale Versorgung bringt viele Vorteile

Höchstens 20 % der Lebensmittel stammen vom Bauern nebenan

Die regionale Lebensmittelversorgung bringt gleich drei große Vorteile mit sich: Lange Transportwege fallen weg und damit reduziert sich der ökologische Fußabdruck deutlich – zugleich kommt die Nahrung frischer und nährstoffreicher beim Verbraucher an. Außerdem profitieren die Bauern in der Regel ganz direkt von ihren verkauften Produkten, weil sich weniger Zwischenhändler und Logistiker dazwischenschalten. Doch noch gibt es nicht gerade einen Boom auf dem lokalen Lebensmittelmarkt: Allerhöchstens 20 % aller Speisen stammen vom Bauern nebenan, so schätzt Ingo Zasada, der beim Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg arbeitet. Gemeinsam mit einigen Kollegen aus anderen europäischen Ländern führte er die oben erwähnte Studie durch.

Jeder Berliner verzehrt 1050 kg Lebensmittel pro Jahr

Berlin sammelte in dieser Untersuchung überraschend viele Punkte: Die deutsche Hauptstadt verfügt über ein großes ländlich geprägtes Umfeld mit einer starken Landwirtschaft. Die mageren Böden in Brandenburg senken zwar die Ertragserwartung, doch das Ergebnis blieb trotzdem erfreulich gut. Pro Berliner rechneten die Forscher mit einem Bedarf von 1050 kg Lebensmitteln im Jahr, entsprechend der konkreten durchschnittlichen Ernährungsgewohnheiten. Jede Person benötigt also statisch gesehen etwa 2000 Quadratmeter Land für seine persönliche Ernährung. Diese hohe Summe ist vor allem auf den Fleisch- und Milchkonsum der Menschen zurückzuführen, der den Flächenverbrauch stark steigert. Trotzdem ging die Rechnung auf!


Wer weiß, vielleicht wird sich diese theoretische Betrachtung tatsächlich eines Tages erfüllen, sogar mit einer wachsenden Bevölkerung. Denn es gibt noch vielzählige Möglichkeiten, die Lebensmittelverwendung nachhaltiger zu gestalten, zum Beispiel indem deutlich weniger Essen auf dem Müll landet oder auch indem die berühmten »krummen Gurken« geradewegs auf den Teller gelangen.

Quelle: berliner-zeitung.de

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