Durch das Internet wurde der Zugang zu Informationen weitgehend demokratisiert. Eine einfache Google-Suche reicht oft schon aus, um sich über ein bestimmtes Thema zu informieren. Dies gilt allerdings auch nur eingeschränkt. Denn viele Informationen stehen nur in bestimmten Sprachen zur Verfügung. Verdeutlichen lässt sich dies am Beispiel der Wikipedia. Dort gibt es mehr als zwei Millionen Artikel in deutscher Sprache. Auf Englisch sind es sogar mehr als sechs Millionen Einträge. Auf der anderen Seite ist die vor allem im südlichen Afrika gesprochene Sprache Sesotho lediglich mit einer dreistelligen Zahl an Artikeln vertreten. Insbesondere in Afrika bedeutet dies: Den vollen Zugang zu Informationen im Netz erhält nur, wer eine der alten Kolonialsprachen spricht.


Bildung Afrika

Maschinelles Lernen funktioniert nur mit großen Datensätzen

Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt Masakhane gegründet – was so viel bedeutet wie „Wir bauen zusammen“. Das Ziel: Es sollen Anwendungen entwickelt werden, die mithilfe von maschinellen Übersetzungen Texte und Informationen auch in lokale Sprachen übersetzen. Die grundsätzliche Technologie dafür existiert bereits. So ist beispielsweise der Google Translator inzwischen durchaus in der Lage, Texte aus dem Englischen einigermaßen verständlich ins Deutsche zu übersetzen. Bei den vielen lokalen afrikanischen Sprachen kommt allerdings eine Besonderheit hinzu: Es gibt bisher nur vergleichsweise wenige digitalisierte Quellen. Weil die Übersetzungsprogramme aber auf maschinelles Lernen setzen, werden große Mengen an Daten benötigt. Eine der Aufgaben der freiwilligen Helfer besteht also darin, entsprechende Texte zu finden und online zu stellen.


Auch an Universitäten wird oft in europäischen Sprachen gelehrt

Auf eine gewisse Vorarbeit können sie dabei zurückgreifen. So gibt es in vielen Ländern Lokalzeitungen, die sowohl in einer ehemaligen Kolonialsprache als auch in der lokalen Sprache veröffentlicht werden. Gleichzeitig geht es vielen Mitgliedern auch darum, das kulturelle Erbe Afrikas zu bewahren. Denn aktuell ist es so, dass selbst an den lokalen Universitäten zumeist in einer der europäischen Sprachen gelehrt wird. Dies bedeutet aber auch: Wer nur das lokale Idiom beherrscht, ist in seinen Bildungsmöglichkeiten eingeschränkt. Automatisierte Übersetzungsprogramme könnten hier für Abhilfe sorgen, indem zumindest die Lehrmaterialien schnell übersetzt werden können. Tatsächlich scheint der Wunsch nach Lehrveranstaltungen in lokaler Sprache inzwischen auch bei einigen Universitäten angekommen zu sein. So arbeitet das Projekt Masakhane unter anderem mit der Universität Pretoria und der Universität Witwatersrand in Johannesburg zusammen.

Via: Enorm Magazin

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