Es ist gar nicht so lange her, da war der Begriff »lokale Lebensmittel« völlig ungebräuchlich. Denn: Woher sollten Obst, Gemüse und Fleisch denn sonst stammen als aus der umliegenden Region oder direkt aus dem eigenen Garten? Heute sieht das ganz anders aus, die Lebensmittelströme fließen über den gesamten Erdball und manchmal haben sie Tausende Kilometer hinter sich, bis sie schlussendlich auf unserem Teller landen. Wird die Corona-Krise das ändern?


Startet die regionale Lebensmittelversorgung jetzt wieder durch?

Wird es bald schon ein Reset geben?

Zahlreiche kleine Bauernhöfe verstreut im Land, dazwischen immer wieder Molkereien, Schlachter, Packhäuser und kleine Einzelhändler. Auf dem Land und sogar in der Stadt bauten viele Menschen zusätzlich noch eigenes Gemüse an und sorgten für die Winter vor, indem sie Nahrungsmittel fermentierten und einkochten. Die Ernährung stand stets in Abhängigkeit zur Jahreszeit, gegessen wurde, was gerade da war. So war es noch vor wenigen Jahrzehnten, aber das ist vorbei. Die einfach gestrickte Infrastruktur gibt es zum großen Teil gar nicht mehr, zentrale Discounter haben die Tante-Emma- und Hofläden abgelöst. Der Gabentisch ist üppig gedeckt, zu jeder Jahreszeit (fast) gleich. Doch die Lieferketten sind fragil, das Just-in-Time-Szenario ist eng gestrickt. Noch dazu richten die langen Transportwege in ihrer Summe große Umweltschäden an. Wird es nach oder schon während der Corona-Krise ein Art Reset geben?

In der Finanzkrise verdreifachte sich der Reis-Preis

Vor zwölf Jahren, zu Zeiten der Finanzkrise, horteten die reisproduzierenden Länder ihren Reis, um die lokalen Märkte damit zu versorgen. Der Preis pro Tonne verdreifachte sich auf dem Weltmarkt. Angeblich soll Vietnam derzeit wieder darüber nachdenken, seine Exporte zumindest zu reduzieren. Andere asiatische Länder könnten dann mitziehen, weil Reis dort nun einmal das Hauptnahrungsmittel ist. In Großbritannien hingegen soll laut »The Guardian« die Gefahr bestehen, dass frische Feldfrüchte wieder untergepflügt werden müssen, weil die Restaurants und andere Essensdienstleister als Abnehmer ausfallen. Andere Verwendungszwecke sind in dem starren System nicht vorgesehen.


Es gäbe sicher noch weitere Beispiele zu nennen, einige von ihnen werden sich vermutlich in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln. Flexible lokale Versorgungsstrukturen könnten uns, wenn es schwierig wird, weiterhelfen. Dafür muss der Lebensmittel-Weltmarkt nicht vollkommen abgeschafft werden, aber eine stark ausgebaute regionale Versorgung würde wahrscheinlich mehr nutzen als schaden. Ein gewisses Umdenken hat immerhin schon vor Corona stattgefunden.

Quelle: treehugger.com

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