„Ich bin heute raus, ich habe Rücken“. Immer mehr Menschen leiden an Rückenchmerzen und beginnen sich vermehrt mit der Thematik aber auch mit Präventionsmaßnahmen auseinanderzusetzen. Knapp 70 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal im Jahr an Rückenschmerzen. Diese reichen dabei von Nackenschmerzen über einen Hexenschuss bis hin zu Bandscheibenvorfällen. Nicht immer sind die Ursachen für Rückenschmerzen gleich eindeutig erkennbar. Auch steht man recht oft vor der Entscheidung auf konventionelle Therapien oder Operationen zurück zu greifen. Experten raten jedoch, dass ein chirurgischer Eingriff nur noch die letzte Option darstellen sollte. So etwa bei einer beschädigten Bandscheibe, die durch ein künstliches Implantat ersetzt werden kann. Dabei stößt das Material allerdings bisher an seine Grenzen und kann das Original nur bedingt ersetzen. Neue Therapieansätze können jedoch Betroffenen Hoffnung machen. Forscher wollen aus Stammzellen gezielt Knorpelzellen züchten, um neue Bandscheiben aus körpereigenem Gewebe herzustellen, denen abgenutzte dann weichen können.


Viele mesenchymale Stammzellen befinden sich im Nabelschnurgewebe

Die moderne Stammzellenforschung arbeitet unter anderem daran, in Zukunft körpereigenes Zellenmaterial zur Verfügung stellen zu können, um beispielsweise degenerierte Bandscheiben im Vorfeld behandeln zu können und Folgeschäden, wie etwa einen Bandscheibenvorfall, vorzugreifen. Die Forscher wollen daher gezielt die für die Regeneration wichtigen Knorpelzellen aus Stammzellen züchten. Dafür werden mesenchymale Stammzellen (MSC) benötigt, die im Knochenmark aber auch im Fettgewebe anzutreffen sind. Besonders hoch konzentriert kommen mesenchymale Stammzellen (MSC) allerdings auch im Nabelschnurgewebe vor. Und genau dieser Fakt macht die menschliche Nabelschnur auch so wertvoll, viel zu wertvoll um einfach im Müll entsorgt zu werden. Forscher möchten daher Stammzellen einfrieren, um daraus, bei Bedarf, dann Reparaturmaterial zu züchten. Die nach der Geburt entfernte Nabelschnur kann bei -190°C jahrelang gelagert werden und fungiert so als wichtiges Stammzellen-Reservoir.

Stammzellenforschung birgt großes Potential

Das langfristige Ziel ist es komplettes Gewebe aus Stammzellen zu züchten um dieses dann dem Patienten einsetzen zu können, wenn es dringend benötigt wird. Schließlich könnte somit faktisch jeder Mensch eine Art „Ersatz-Material-Lager“ auf der Basis von Stammzellen anlegen lassen. Tissue Engineering könnte es eines Tages ermöglichen, dass abgenutzte Bandscheiben durch neue ersetzt werden, die aus körpereigenem Gewebe gezüchtet wurden. Auf dem Gebiet der Stammzellenforschung ist es Medizinern jüngst auch zum ersten Mal gelungen Haut mit Haaren und Talgdrüsen zu erschaffen. Zudem gelang es Wissenschaftlern auch mit der Hilfe von Stammzellen Patienten vom grauen Star zu befreien.


Bis die Forschung und Medizin aber so weit ist, dass gezüchtete Bandscheiben beschädigte Bandscheiben ersetzen können, müssen wir noch auf Präventionsmaßnahmen zurück greifen. Dazu zählen Sport und Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Auch der Handy-Nacken sollte beachtet werden. Zudem empfiehlt sich der Besuch von Rückenkursen in Fitnessstudios oder beim Physiotherapeuten des Vertrauens. Oftmals gibt es dafür auch passende Schnupperkurse um sich das Ganze einmal anschauen zu können. Die Volkskrankheit Rückenschmerzen kostet der Bundesrepublik Deutschland übrigens jährlich 48,9 Milliarden Euro.

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