Im Netz sind Betrugsmaschen keine Seltenheit: Die Ware behalten und das Geld zurück bekommen – von Internetkriminellen ließen sich hunderte Kunden gegen eine Gebühr zeigen, wie das geht. Allen Beteiligten drohen jetzt Haft- und Geldstrafen.


Wer in den Kanälen vom Messenger Telegram auf der Suche nach Schnäppchen unterwegs ist, sollte sich in Acht nehmen vor sehr günstig klingenden Angeboten. Eine Betrugsmasche könnte dahinter stecken – so wie bei der German Refund Crew. Diese Gruppe bot ihren Kunden einen Kurs an, wie sie Waren bestellen und auch behalten können, das Geld jedoch im Nachhinein zurück erhalten.


Hunderte Ermittlungsverfahren eingeleitet

Den Rückerstattungsbetrug hat das Magazin C´t aufgedeckt. Laut seinem aktuellen Bericht hatte die Zeitschrift für Computertechnik im Darknet und auf Telegram sechs Monate lang recherchiert, wie Betrüger beim Shopping im Internet Händler um die Waren bringen. Dabei stand die German Refund Crew im Fokus. Diese Telegram Gruppe hatte hunderte Teilnehmer, die laut C´t vom Bundeskriminalamt schon im Oktober in einer groß angelegten Aktion übernommen wurde. Hierbei wurden die Daten ausgewertet. Mittlerweile laufen gegen Organisatoren und ebenfalls die Kunden Ermittlungen.

Telefonservice und Coaching

Zum Geschäftsmodell von der German Refund Crew soll es gehört haben, Kunden für Rückerstattungsbetrug einen Rundum-Service gegen Gebühr zu bieten. Zu diesem Geschäftsmodell habe ein Telefonservice und ein Coaching gehört. Mit dem Telefonservice führten die Betrüger mit den Händlern Rückabwicklungsgespräche. Kunden sollten als Gegenleistung 20 bis 27 Prozent des Warenwerts an ein PayPal-Konto oder in Bitcoin bezahlten. Auch habe zum Angebot die Beschaffung unterschiedlicher Waren über Onlinehändler wie zum Beispiel Zalando und Amazon gehört.

Datensammlungen in großer Menge

Die German Refund Crew habe zu ihrer eigenen Sicherheit, damit sie selbst nicht betrogen werden, von ihren Kunden äußerst viele Daten verlangt, wie Namen, Adresse, Kreditkartendaten, eine Liste der bestellten Waren und den Telegram-Account. Das Magazin C´t schreibt, dass die German Refund Crew damit sicherstellen konnte, nicht selbst betrogen zu werden – und sie hätten die Kunden damit nach Belieben erpressen können, diese Daten an Ermittlungsbehörden weiterzugeben. Solche Datensammlungen seien für Ermittler Gold wert, da es sich um die echten Namen und Adressen von den Kunden handle.

Fünf Betrugsmethoden

Die German Refund Crew habe mit insgesamt fünf unterschiedlichen Betrugsmaschen gearbeitet. Aus Rücksicht auf die Ermittlungen, die noch laufen würden, wolle C´t auf diese nicht näher eingehen. Allerdings sei ein wesentlicher Punkt, dass durch die geänderten Zustellvorschriften bei den Paketdiensten aufgrund der Corona-Pandemie Pakete lediglich abgestellt würden und bei Empfangsbestätigungen die Unterschriften wegfallen würden. Die ordnungsgemäße Zustellung könne somit nicht bewiesen werden und der Paketdienst müsse im Zweifel den Warenwert erstatten.

Schwer abschätzbare Tragweite

Das Magazin C´t teilt mit, dass es sich kaum abschätzen lasse, wie verbreitet ein Rückerstattungsbetrug sei. Darüber hätten selbst die Landeskriminalämter keine Informationen, denn es gäbe dafür in der Kriminalstatistik keinen eigenen Schlüssel. Es gehe im Fall von der German Refund Crew um hunderte Taten, die in nur etwa vier Monaten begangen wurden. Damit wurde ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro verursacht. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrug und Anstiftung zum Betrug. Nun drohen den Kunden bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafen oder Geldstrafen.

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