Fieberhaft wird weltweit an einem Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geforscht. Insgesamt befinden sich 250 mögliche Impfstoffe in der Entwicklung, etwa 20 von ihnen sind bereits soweit, dass sie sich in klinischen Studien befinden. Darunter sind sowohl klassische Totimpfstoffe als auch Impfstoffe, die auf modifizierte Trägerviren basieren. Auch neuartige mRNA-Vakzine werden erforscht, etwa von den Firmen Biontech und Moderna. Dabei gab es in der Vergangenheit bereits positive Meldungen bezüglich einiger Impfstoffe. Nun kommen zwei hinzu: Bei beiden Vakzinen konnte bei den Probanden eine Immunantwort nachgewiesen werden – ihr Immunsystem produzierte sowohl Antikörper als auch T-Zellen gegen das Coronavirus.


Coronavirus
Bild: NIAID

Mit Trägerviren gegen das Coronavirus

Aktuell befinden sich mehrere Impfstoffe in klinischen Studien der Phasen 1 und 2. Bei diesen geht es zunächst darum, die Verträglichkeit der Impfstoffe zu überprüfen und herauszufinden, ob sie die gewünschte Immunreaktion auslösen können. Maßgeblich hierfür ist eine ausreichende Produktion neutralisierender Antikörper sowie eine zelluläre Immunantwort, etwa in Form von T-Zellen.

Zu den beiden Impfstoffkandidaten, um die es geht, liegen nun Ergebnisse aus Phase-2-Studien vor. Dabei verwendeten beide Teams ein Trägervirenmodell. Bei beiden Vakzinen kommen modifizierte Adenoviren zum Einsatz, deren Erbgut um die Gene für das Spike-Protein des Coronavirus ergänzt wurde. Dieses Spike-Protein wird von SARS-CoV-2 verwendet, um an menschliche Zellen anzudocken. Die Trägerviren schleusen die jeweiligen Gene in die Zellen ein, die dann die Virusbestandteile produzieren und eine Immunantwort auslösen.


Ad5: Impfstoff aus China schwächelt bei älteren Probanden

Der erste Impfstoffkandidat kommt aus China und wurde von einem Team rund um Feng Cai Zhu vom Jiangsu Provincial Center for Disease Control and Prevention in Nanjing entwickelt. Als Trägervirus kommt ein Adenovirus zum Einsatz, das bei Menschen ungefährliche Erkältungen auslöst. Dieses wurde abgeschwächt und genetisch modifiziert. In der Studie wurde es dann 508 Probanden verschiedenen Alters verabreicht. Dabei erhielten 253 Teilnehmer eine hohe Dosis, 129 eine niedrigere Dosis und der Rest ein Placebo.

28 Tage nach der Impfung hatten bis zu 90 Prozent der Teilnehmer eine zelluläre Immunantwort gegen SARS-CoV-2 in Form von T-Zellen entwickelt. Mehr als 96 Prozent wiesen zudem Antikörper auf, von denen etwa die Hälfte eine Virusneutralisation auslösten. Die Forscher berichteten auch von Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle, Fieber, Kopfschmerzen und Erschöpfung als Nebenwirkung der Impfung.

Das Team taufte seinen Vektorimpfstoff auf den Namen Ad5 und bezeichnete ihn als immunologisch effektiv und verträglich. Allerdings sei die Immunantwort bei den älteren Teilnehmern der Studie deutlich schwächer. Anscheinend hemmt ein vorheriger Kontakt mit dem Adenovirus die Wirkung des veränderten Ad5-Virus. Die Forscher arbeiten nun daran, die Immunantwort bei älteren Personen zu verstärken – schließlich ist gerade die ältere Bevölkerung eine Risikogruppe für Covid-19.

ChAdOx1: Schimpansen-Virus dient als Basis

Der zweite Impfstoff kommt aus Großbritannien und beruht auf einem Trägervirus, das bei Menschen nicht vorkommt: „ Das neue Vakzin verwendet ein Erkältungsvirus, das Schimpansen befällt. Dieses wurde abschwächt, so dass es beim Menschen keine Krankheit verursachen kann und dann genetisch so verändert, dass es den Code des Spike-Proteins in sich trägt„, so Andrew Pollard von der University of Oxford, der die Studie leitete.

Das Team taufte das modifizierte Trägervirus auf den Namen ChAdOx1 und testete es in einer Phase-2-Studie an 543 gesunden Probanden. Eine Kontrollgruppe mit 534 Probanden erhielt einen Impfstoff gegen Meningokokken.

Auch ChAdOx1 regte sowohl die Produktion von Antikörpern als auch von T-Zellen gegen SARS-CoV-2 an. 91 Prozent der Probanden hatten nach 28 Tagen neutralisierende Antikörper gebildet. Die T-Zellen hatten ihren Höchststand bereits nach 14 Tagen erreicht. Da keiner der Probanden älter als 55 Jahre alt war, lässt die Studie jedoch keine Aussagen über die Wirksamkeit bei älteren Menschen zu.

Noch ist einige Arbeit zu leisten, bevor wir bestätigen können, dass unser Vakzin helfen wird, die Covid-19-Pandemie einzudämmen. Aber diese ersten Ergebnisse sind vielversprechend„, so Co-Autorin Sarah Gilbert.

Beide Impfstoffe sind nun in der Vorbereitung für Phase-3-Studien.

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