Die Anteilnahme am Schicksal des Wals, der zuerst vor dem Timmendorfer Strand strandete und nun vor der Ostseeinsel Poel auf Grund liegt, ist gewaltig. Kein Wunder, denn die sanften Riesen sind faszinierende Tiere mit hoher Intelligenz, die niemand leiden sehen will. Ein Grund, warum Wale in der Vergangenheit regelmäßig strandeten, gerät dabei kaum in den Fokus: das Schiffsonar. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass in diesem Fall die Sonargeräusche an der Orientierungslosigkeit des Wals Schuld sind, bietet die Misere doch Anlass, wieder über das alte Thema nachzudenken. Wale sind durch Schiffsonar gefährdet Massenstrandungen tief tauchender Arten durch Sonar Sonarbedingte Walstrandungen betreffen zumeist tiefer tauchende Arten wie die Cuvier-Schnabelwale – und sie treten normalerweise in Clustern auf. Das heißt, es handelt sich um Massenstrandungen und eher nicht um einzelne, geschwächte Tiere. Die wahrscheinlichsten Ursachen, warum »Timmy« oder »Finn« jetzt in der tödlichen Falle sitzt, sind sogenannte Geisternetze, in die er sich verfangen hat, aber auch Krankheit, Erschöpfung und natürliche Desorientierung in einem für Buckelwale ungeeigneten Gewässer können Schuld daran sein. Sonargeräusche lösen Panik und Orientierungsprobleme aus Dennoch: Sonargeräusche lösen bei Walen regelmäßig Panik und Orientierungsprobleme aus. Schon 2017 berichteten amerikanische Forscher im Fachmagazin »Royal Society Open Science« von 16 Cuvier-Schnabelwalen, die sie mit Sendern ausgestattet hatten. Bei militärischen Übungen mit Sonareinsatz versuchten die Tiere panisch, der Geräuschkulisse zu entfliehen und verlängerten ihre Tieftauchphase von sonst durchschnittlich 60 auf 90 Minuten. Während des Tieftauchens verlangsamen sich Herzfrequenz und Blutzirkulation, um den Sauerstoff so lange wie möglich im Blut zu halten. Dauerhaft geht das natürlich nicht gut. Dekompressionskrankheit durch zu schnelles Auftauchen möglich Auch zu schnelles Auftauchen aufgrund von Sonaraktivität ist bekannt. Dabei droht die bei menschlichen Tauchern bekannte Dekompressionskrankheit: Durch die zu zügige Minderung des Außendrucks perlen Gasbläschen im Körper aus, zerstören Gewebe und lösen innere Blutungen aus. Autopsien bestätigen den Befund. Derart »angeschlagene« Wale verlieren während des Auftauchens die Orientierung, was zu Strandungen führen kann. Laut der Forschungen besonders gefährlich ist das Mittelfrequenz-Aktivsonar (MFAS), das seit den 50er Jahren zur Erkennung von U-Booten Einsatz findet – auch bei Militärpatrouillen und Übungen. Im Jahr 2002 strandeten vor den Kanarischen Inseln innerhalb von nur 36 Stunden 14 Wale – während zeitgleich ein NATO-Manöver in der Gegend lief. Von außen sah man den Tieren keine Schäden an, doch bei der Autopsie wurden Venen voller Stickstoffbläschen und Gehirnblutungen sichtbar. Auch das Rückenmark, das zentrale Nervensystem und weitere Organe waren betroffen. Dieses Beispiel zeigt die verborgenen Auswirkungen scheinbar harmloser Eingriffe in die Natur. Quelle: dw.com Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter