Schon bei klassischen Elektroautos gilt die Ladeinfrastruktur als Hemmschuh für die weitere Verbreitung. Dabei kann – zumindest theoretisch – jeder das Fahrzeug an der heimischen Steckdose aufladen. Im Fall von Wasserstoff-Autos ist dies anders. Hier muss stets eine entsprechende Tankstelle angesteuert werden. Das Problem: Deutschlandweit gibt es aktuell nur rund neunzig – nötig wären aber eher eintausend. Die Kosten für einen solchen Ausbau sind allerdings gewaltig. Eine einzige Wasserstoff-Tankstelle schlägt mit bis zu einer Million Euro zu Buche. Schweizer Forscher der ETH Lausanne haben nun aber ein System entwickelt, mit dem sogar in der eigenen Garage Wasserstoff produziert und getankt werden könnte. Ein erster Prototyp befindet sich bereits im Bau und soll anschließend ausführlich getestet werden.


Bild: Dicklyon [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Die neue Form der Speicherung verbraucht weniger Energie

Der Clou der Konstruktion: Das verwendete Metallhydrid ZrMn1.5 speichert Wasserstoff ganz ohne externe Energiezufuhr. Durch Wärme-Zufuhr kann aber dafür gesorgt werden, dass das Material das Gas wieder abgibt. Diesen Umstand machen sich die Forscher zunutze, um den Wasserstoff zu verflüssigen und zu verdichten. Dies wiederum ist die Voraussetzung, damit er getankt werden kann. Vor der Speicherung steht allerdings zunächst noch die Produktion. Hier soll ein klassischer Elektrolyseur zum Einsatz kommen, der Wasser unter Strom setzt und so in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Im Idealfall werden dafür Erneuerbare Energien genutzt, sodass keine Klimaemissionen verursacht werden. Im Fall der Wasserstoff-Tankstelle für die heimische Garage wäre es also gut, wenn sich auf dem Dach noch eine Solaranlage befände.

Das Ziel: Ein privates Netz an Wasserstoff-Tankstellen

Die von den Forschern entwickelte Lösung kann aber auch als Energiespeicher genutzt werden. So wäre es denkbar, im Sommer den überschüssigen Solarstrom zu nutzen, um Wasserstoff zu gewinnen. Die so angelegten Vorräte könnten dann im Winter verbraucht werden. Anders als beispielsweise bei Lithium-Ionen-Akkus handelt es sich um einen geschlossenen Kreislauf – es entstehen also keine Energieverluste. Gleichzeitig könnte für Privatpersonen auch eine neue Einnahmequelle entstehen. Denn die Vision der Forscher sieht vor, dass im Laufe der Zeit ein Netz an privaten Wasserstoff-Tankstellen entsteht, die öffentlich genutzt werden können. Aufgrund der nicht gerade geringen Anschaffungskosten wäre dafür aber wohl eine staatliche Förderung nötig.


Via: NZZ

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