Nachdem der für Anfang der Woche angesetzte erste Orbitaltest des von Space X entwickelten Starship verschoben wurde, fand heute am 20. April ein zweiter Startversuch statt. Dieser verlief auch zuerst wie geplant. Wenige Minuten nach dem Start explodierte die Kombination aus Super-Heavy-Rakete und Starship allerdings bei dem Versuch, die Rakete wie geplant vom Starship abzutrennen.


Bild: SpaceX

Erster Startversuch wurde verschoben

Das Starship von SpaceX ist ein echtes Megaprojekt. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus einer 70 Meter langen Trägerrakete Super Heavy und einer 50 Meter langen Raumkapsel mit einer Raketenoberstufe – das eigentliche Starship. Es handelt sich bei der Kombination um die größte Rakete der Welt – sogar noch größer als die legendäre Saturn V Rakete der Apollo-Mondmissionen. In Zukunft sollen mit ihr etwa Mensch und Material zum Mond und zum Mars gebracht sowie große Nutzlasten in die Umlaufbahn gebracht werden.

Nachdem Space X am vergangenen Freitag, den 14. April 2023, die offizielle Zulassung für das Starship von der US-Luftfahrtbehörde FAA erhalten hatte, war der Weg frei für einen ersten orbitalen Testflug. Es sollte sich um den ersten Start des gesamten Ensembles aus Super Heavy und Spaceship handeln, nachdem es mehrere suborbitale Testflüge der Starship-Oberstufe gegeben hatte.


Dieser erste orbitale Testflug sollte ursprünglich am 17. April 2023 stattfinden. Auf dem SpaceX-Raumbahnhof in Texas wurde zu diesem Zweck ein Startturm mit einer Höhe von 146 Metern gebaut. Es handelt sich um die höchste Raketenstartanlage der Welt. Allerdings wurde der Countdown kurz vor dem Start angehalten und der Flugtest verschoben.

Explosion nach dem Start

Am heutigen 20. April gegen 15:30 fand der zweite Startversuch für den ersten gemeinsamen Flug des Starship und der Super-Heavy-Rakete statt. Zwar musste der Countdown bei T-40 Sekunden erneut gestoppt werden, aber im Anschluss gab es dann doch grünes Licht für die Zündung und die Rakete hob erfolgreich von der Startrampe ab. Die Triebwerke vom Typ Raptor arbeiteten wie geplant, und die Rakete erreichte den Punkt, an dem etwa drei Minuten nach dem Start die Abtrennung der Raumkapsel von der ausgebrannten Trägerrakete erfolgen sollte.

Hierbei kam es jedoch zu Problemen. Die Abtrennung scheiterte und das Starship und die angehängte Rakete begannen statt des geordneten und vorgesehenen „Belly Flops“ eine unkontrollierte Spin-Bewegung. Wenige Sekunden später explodierte das Ensemble.

Space-X-Chef Elon Musk hatte sich bereits im Vorfeld verhalten zu der Erfolgschance des Tests geäußert und diese auf etwa 50 Prozent beziffert. „Ich kann nicht sicher sagen, dass es den Orbit erreichen wird, aber ich kann garantieren, dass es spannend wird„, sagte Musk kürzlich auf einer Konferenz. Bis Ende des Jahres sind jedoch noch weitere Flugtests geplant, sodass er die Gesamtchance auf einen erfolgreichen Orbitaltest im Jahr 2023 auf etwa 80 Prozent einschätzt.

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Keine Erdumrundung bei erstem Test

Bis zu der Trennung von Super Heavy und Starship verlief der Test jedoch wie geplant. Die 33 Raptor-Triebwerke der Super-Heavy-Rakete nutzen ein Gemisch aus flüssigem Methan sowie flüssigen Sauerstoff als Treibstoff und brachten die Kombination auf orbitale Höhe. Wäre der Test wie geplant verlaufen, wäre dann nach drei Minuten die Abtrennung der Trägerrakete erfolgt, die dann zum Golf von Mexiko abgesunken und dort gewassert wäre. Nach der Abtrennung hätten dann die sechs Raptor-Triebwerke des Starships für neuen Schub gesorgt. So hätte es den Flug fortsetzen können. Für diesen ersten Test war keine volle Erdumrundung geplant, sondern das Starship sollte nach etwa anderthalb Stunden Flug in der Nähe von Hawaii in den Pazifik stürzen.

Das Starship-System bietet gegenüber anderen Schwerlastraketen einen entscheidenden Vorteil: Es ist komplett wiederverwendbar. Beide Stufen, also die Super-Heavy-Rakete und das Starship selber, können nach absolviertem Flug zur Erde zurückkehren, dort landen und wiederverwendet werden. Zu diesem Zweck ist der Startturm in Texas mit riesigen Roboterarmen ausgerüstet, die die senkrecht landenden Raketenteile stabilisieren und auffangen sollen. Eine Landung bzw. ihr Versuch waren allerdings erst für weitere Folgeflüge geplant.

Dank seiner großen Schubkraft soll das Starship künftig bis zu 150 Tonnen Nutzlast ins All bringen können. Sogar bemannte Missionen sind geplant. Das Starship könnte so dazu beitragen, die Menschheit wieder auf den Mond zu bringen. Elon Musk zufolge soll das Spaceship auch ein wichtiger Schritt in Richtung bemannter Marsmissionen sein.

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