Völlig ohne Strom aus der Steckdose soll ein neuartiger Kühlschrank auskommen, den das Berliner Start-Up Coolar entwickelt. Er benötigt lediglich warmes Wasser, das Solarkollektoren liefern. Initiatorin ist die junge Wirtschaftsingenieurin Julia Römer, deren Team mittlerweile acht ebenfalls junge Leute umfasst. Wir haben noch einmal genauer telefonisch nachgefragt und uns das innovative Kühlsystem detailiert erklären lassen.


Foto: Coolar
Foto: Coolar

Die Truppe nutzt das Adsorptionsverfahren, um die Temperatur im Inneren des Kühlschrankes abzusenken. Das System besteht aus einem Verdampfer, einem Kondensator und zwei Kammern, die mit Kieselgel, auch Silikagel genannt, gefüllt sind. Diese Kammern fungieren abwechselnd als Ad- und Desorber. Bei der Adsorption saugen die Gelkügelchen Wasserdampf auf und halten ihn fest. Die entstehende Wärme wird, wie bei herkömmlichen Kühlschränken, in die Umwelt abgegeben. Auf Grund der Verdunstungskälte sinkt die Temperatur des Wassers im Verdampfer. Dieses fließt durch Kühlrippen im Innerendes Kühlschrankes. Bei der Desorption werden die Kügelchen wieder getrocknet.

Kühlen durch verdunstendes Wasser

Der Wasserdampf gelangt über ein Ventil in eine der beiden Kammern. Haben sich die Silicagel-Kügelchen vollgesogen, wird warmes Wasser durch die Schüttung geleitet. Die Wassermoleküle werden aus den Kügelchen ausgetrieben und landen wieder im Verdampfer, sodass der Prozess von vorn beginnen kann. Damit ständig Kälte produziert werden kann lösen sich die beiden Kammern beim Adsorbieren und Desorbieren ab. Die Kältemaschine arbeitet im Vakuum, sodass Wasser schon bei mäßigen Temperaturen verdunstet und bei ebenso mäßigen Temperaturen aus den Gelkügelchen ausgetrieben werden kann.


Coolar
Coolar der stromlose Kühlschrank (Bild: Coolar)

Alle Prozesse laufen gewissermaßen von allein ab. Lediglich die vier Ventile, die zum Ad- und Desorbieren mit System geschlossen und geöffnet werden müssen, um den Kreislauf in Gang zu halten, benötigen Strom. Diesen sollen Peltier-Elemente liefern, die aus unterschiedlichen Metallen bestehen. Werden sie erwärmt fließt ein kleiner Strom, der zur Betätigung der Ventile ausreichen soll. Um eine Pumpe zum Transport des warmen Wassers einzusparen, arbeiten die Entwickler an der Realisierung eines Naturumlaufs. Denn eine Pumpe benötigt so viel Strom, dass Peltier- Elemente überfordert wären. Ziel ist es, einen absolut umweltverträglichen Kühlschrank zu bauen.

Ideal für Menschen in der Dritten Welt

Da Solarkollektoren in Deutschland nur im Sommer ausreichend warmes Wasser liefern ist die Coolar-Technik nur begrenzt einsatzfähig, auch wenn Wasser in einem großen Tank bevorratet wird. Der stromlose Kühlschrank ließe sich nur einsetzen, wenn genügend Abfallwärme zur Verfügung stünde. Für Länder der Dritten Welt, in denen die Sonne oft verschwenderisch scheint, ist sie dagegen ideal, zumal die Stromversorgung dort nicht immer gesichert ist.

Coolar im Video

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