Rund um das ehemalige Atomkraftwerk in Tschernobyl existiert noch immer einer Sperrzone mit einem Radius von dreißig Kilometern. Von dort wurden in Folge der Atomkatastrophe von 1986 mehr als 300.000 Menschen evakuiert. Einige Rentner sind inzwischen aber in das Gebiet zurückgekehrt und bauen dort auch Obst und Gemüse zur Selbstversorgung an. Verkaufen dürfen sie die Produkte allerdings nicht. Denn die kommerzielle Landwirtschaft ist rund um Tschernobyl noch immer verboten. Der Grund dafür ist recht simpel: Die Strahlenbelastung der dort produzierten Lebensmittel liegt über den in der Ukraine erlaubten Grenzwerten. Forscher von der Universität in Portsmouth haben nun aber eine mögliche Lösung für diese Problematik präsentiert: Sie destillierten das dort angebaute Getreide und stellten so Wodka her.


Bild: University of Portsmouth

Bisher durfte nur eine einzige Flasche produziert werden

Der Trick: Während das verwendete Getreide zu Beginn tatsächlich noch radioaktiv verunreinigt war, konnte im Getränk dann nur noch der natürliche Kohlenstoff 14 nachgewiesen werden. Dieser ist aber in vielen Speisen und Getränken zu finden. Somit kann der Wodka aus Sicht der Wissenschaftler bedenkenlos getrunken werden. Die Forscher haben daher nun eine Firma gegründet, um ihr Produkt zu vermarkten. Zuvor sind aber noch einige rechtliche Fragen zu klären. Denn aktuell existiert von dem „Atomik“ genannten Wodka nur eine einzige Flasche. Für die Ausweitung der Produktion fehlen bisher die Genehmigungen. Dennoch bezeichnet der an der Forschung beteiligte Uni-Professor Jim Smith das Produkt bereits als „wichtigste Flasche Alkohol auf der Welt.“ Denn sie soll dazu beitragen, die Wirtschaft in der Region wieder anzukurbeln.

Tschernobyl zieht immer mehr Touristen an

Außerdem sollen 75 Prozent der Einnahmen den Leuten rund um Tschernobyl zugute kommen. Damit aber überhaupt Gewinne erwirtschaftet werden können, müssen zunächst einmal Kunden gewonnen werden. Vor noch gar nicht all zu langer Zeit hätte man hier wohl die Frage gestellt, ob es tatsächlich Menschen gibt, die sich speziell für Wodka aus einem atomaren Sperrgebiet interessieren. Inzwischen hat rund um den explodierten Kernreaktor aber – nicht zuletzt aufgrund der gleichnamigen Fernsehserie – ein gewisser Hype eingesetzt. Diesen will sich auch die ukrainische Regierung zunutzt machen und den Tourismus in der Region fördern. So soll die Zahl der Besucher von bisher 60.000 auf bis zu eine Millionenpro Jahr steigen. Durchaus denkbar, dass der eine oder andere davon auch Interesse am Atomik-Wodka haben könnte.


Via: New Atlas

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