Eine kürzlich veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland in etwa auf dem Niveau des europäischen Durchschnitts liegen. Wer hingegen in die Nachbarländer Frankreich, Dänemark oder Schweiz fährt, wird schnell merken: Hier werden in den Supermärkten merklich höhere Preise aufgerufen. Die Preise an der Kasse sind allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn sie spiegeln lediglich einen betriebswirtschaftlichen Wert wider. Oder anders ausgedrückt: Er setzt sich zusammen aus den Kosten, die allen beteiligten Unternehmen entstehen sowie der Gewinnspanne. Tatsächlich aber entstehen bei der Produktion von Lebensmitteln auch Umweltschäden und andere Folgekosten für die Allgemeinheit. Diese fallen aber nicht bei den produzierenden Unternehmen an und finden sich daher auch nicht in den Preisen wieder.


Fleisch hat mehr Folgekosten als Obst und Gemüse

Ein Team rund um den Wirtschaftsinformatiker Tobias Gaugler hat daher nun untersucht, wie teuer unsere Lebensmittel eigentlich sein müssten, wenn man alle Folgekosten für die Gemeinschaft mit einberechnet. Das Ergebnis: Insbesondere bei tierischen Produkten wäre ein erheblicher Aufschlag nötig. Bei Hackfleisch beispielsweise berechneten die Forscher einen Preisanstieg um 173 Prozent. Aus den heute aufgerufenen 2,79 Euro würden dann stolze 7,62 Euro. Bei Milch (plus 122 Prozent), Gouda (plus 88 Prozent) sowie Mozzarella (plus 52 Prozent) müssten die Kunden ebenfalls deutlich tiefer in die Tasche greifen. Bei Obst und Gemüse würde der Anstieg hingegen deutlich niedriger ausfallen. So müssten bei Kartoffeln und Tomaten jeweils zwölf Prozent mehr verlangt werden. Bei Äpfeln wären es mit lediglich acht Prozent sogar noch weniger Zusatzkosten. Bei den hier genannten Zahlen wurden jeweils Lebensmittel aus konventioneller Herstellung als Basis genommen.


Bio-Produkte schneiden ein wenig besser ab

Die Forscher haben aber auch Bioprodukte unter diesem Aspekt untersucht. Hier zeigte sich ein ähnliches Bild, allerdings fielen die Preisaufschläge jeweils ein wenig niedriger aus. Dies hat einen doppelten Hintergrund. Zum einen kann der ökologische Landbau dafür sorgen, dass weniger Folgekosten entstehen. Zum anderen sind Bioprodukte aber auch heute schon schlicht teurer. Trotzdem würde auch das Bio-Hackfleisch mehr als doppelt so viel kosten wie aktuell. Bei allen genannten Werten muss zudem berücksichtigt werden, dass nur ein Teil der Folgekosten beziffert und somit mit einberechnet werden kann. Die exzessive Gabe von Antibiotika in der Tierzucht beispielsweise hat ebenfalls negative Folgen für die Allgemeinheit. Hier lässt sich aber kein Preis bestimmen, der auf ein konkretes Produkt umgelegt werden kann. Tendenziell dürfte es aber so sein, dass die „wahren Kosten“ noch einmal eine Ecke höher liegen als für die Studie berechnet.

Was bringt die doppelte Preisauszeichnung?

Interessant ist zudem, dass es sich um eine Auftragsforschung für den Lebensmittel-Discounter Penny handelt. Folgerichtig wurden die Ergebnisse auch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht und von Experten begutachtet. Dennoch dürfte die hinter den einzelnen Ergebnissen stehende Aussage so nicht zu bestreiten sein: Lebensmittel müssten deutlich teurer sein, wenn man alle Folgekosten für die Allgemeinheit mit einberechnet. Was aber wird der hinter der Penny-Kette stehende Rewe-Konzern nun mit den Ergebnissen der Studie anfangen? Zunächst einmal ist ein kleines Pilotprojekt geplant: In einem neuen Markt in Berlin sollen bei acht Produkten zwei Preise angezeigt werden: Der tatsächlich an der Kasse zu entrichtende Betrag sowie der Preis inklusive der meisten Folgekosten. Die Forscher hoffen, dass dies schon ausreichen könnte, um eine Veränderung beim Kaufverhalten der Kunden zu erreichen.

Via: Nau

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