Es ist gar nicht so lange her, dass männliche Schulabgänger zwischen dem Dienst in der Bundeswehr und dem Zivildienst wählen mussten. Die jungen Frauen waren damals ausgespart. Bei Abschaffung des Wehrdienstes im Jahr 2011 verschwand auch das zivile Pendant, freiwilliges Engagement ist für beide Geschlechter jedoch weiterhin möglich. Jetzt kommt die Diskussion auf, ob ein neuer, verpflichtender Zivildienst unsere Jugend und die Gesellschaft insgesamt positiv verändern könnte.


Was bringt ein verpflichtender Zivildienst für Schulabgänger?

40.000 junge Menschen engagieren sich pro Jahr freiwillig

Der Bundesfreiwilligendienst aktiviert pro Jahr etwa 40.000 junge Menschen, die sich zunächst nicht um ihre persönliche Karriere kümmern, sondern gesellschaftliches Engagement zeigen möchten. Welche Auswirkungen hätte es, wenn dieser Einsatz zur Pflicht würde? Diese Frage stellte galileo.tv Dr. Siegfried Preiser, der an der Psychologische Hochschule Berlin beschäftigt ist. Wir geben den Inhalt des Gesprächs in eigenen Worten wieder.

Kompetenzen im sozialen, geistigen und kreativen Bereich aufstocken

Der Experte sieht viele Vorteil in einem verpflichtenden Zivildienst, der für junge Männer und Frauen direkt nach dem Schulabschluss erfolgen sollte. Der Nachwuchs könne auf diese Weise seinen Horizont erweitern, Lebenserfahrungen sammeln und die eigenen Kompetenzen nicht nur im sozialen, sondern auch im geistigen und kreativen Bereich aufstocken. Sozial brisante Lebensbereiche geraten während des Dienstes in den Fokus, es erfolgt eine Beschäftigung mit Problemfeldern, die der junge Mensch wahrscheinlich sonst umschifft hätte.


Die Jugend wäre besser gerüstet und informiert

Entsprechend wird die Jugend, die aus diesem Dienstverhältnis hervorgeht, im sozial-gesellschaftlichen Bereich besser gerüstet und informiert sein. Zitat: »Wenn ein zunehmend größer werdender Anteil der Menschen persönliche und institutionelle Kontakte zu Einrichtungen, Gruppen und Menschen hat, die im Alltagsleben eher randständig oder gar nicht wahrgenommen werden, wird dies das Verständnis für gesellschaftliche und individuelle Problemlagen erweitern.«.

Soziale Kompetenzen als Baustein zu Erfolg

In vielen Unternehmen ist die Tatsache bereits bekannt, dass soziale Kompetenzen ein wichtiger Baustein zum Erfolg sind. Kontakte zu sozialen Einrichtungen fördern diese Fähigkeiten und sollen auch das innovative Denken steigern. Es gibt sogar Firmen, die von ihren Mitarbeitern einfordern, mindestens einen Tag pro Jahr in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten.

Unser Kurzkommentar zum Interview

Trotz aller Vorteile bleibt die Frage offen: Macht es wirklich Sinn, statt auf Freiwillige zu setzen, junge Menschen zum Zivildienst staatlich zu verpflichten? Immerhin würde man mit dieser Vorgehensweise den Schulabgängern auch ein Stück weit die persönliche Freiheit nehmen.

Quelle: galileo.tv

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1 Kommentar

  1. Björn

    26. Februar 2020 at 10:09

    Da nach der Schule die wenigsten wissen, wie das (berufliche) Leben aussehen soll halte ich das schon für sinnvoll.
    Trotzdem sollte nicht einfach über die Köpfe der Jugend entschieden werden, sondern vielmehr auch deren Meinung zum Thema herangezogen werden.

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