Vor rund zehn Jahren war Shai Agassi so etwas wie ein Medienstar. Der schillernde Israeli verließ seinen Job als Vorstand bei SAP und gründete ein Unternehmen mit dem Namen „Better Place“. Seine Idee: Er wollte Stationen bauen, an denen die Batterien von Elektroautos nicht aufgeladen, sondern ausgetauscht werden. Trotz fast einer Milliarde Euro an Investorengeld schlitterte das Unternehmen aber letztlich in die Pleite. Seitdem hat sich kein Unternehmen mehr am Batterietausch im großen Stil versucht – auch wenn Tesla entsprechende Patente beantragt hat. Dies ändert sich nun allerdings in China. Dort will der Elektroautobauer Nio den sogenannten G4 Expressway über eine Länge von 2.285 Kilometern mit entsprechenden Wechselstationen ausrüsten. Die ersten 18 Anlagen haben bereits den Betrieb aufgenommen.


Der NIO ES8. Foto via MKM.

2020 soll das System in die USA kommen

Der Kunde muss dabei lediglich in eine Art Garage fahren. Dort befindet sich im Boden eine Grube, in der ein Roboter seine Arbeit verrichtet. So löst er die verschraubte Batterieplatte und setzt anschließend ein voll geladenes neues Modul ein. Nach rund zwei Minuten kann das Elektroauto dann seine Fahrt fortsetzen. An einer Schnellladestation dauert es hingegen mindestens eine halbe Stunde bis der Akku wieder vollständig geladen ist. Die Manager bei Nio sind von ihrer Lösung so überzeugt, dass damit sogar der Markteintritt in den Vereinigten Staaten schon geplant ist. Dieser soll im Jahr 2020 erfolgen. Einen Nachteil hat der Ansatz allerdings: Er funktioniert nur, wenn die Fahrzeuge auch auf das System abgestimmt sind. Bisher ist dies nur bei den E-Autos von Nio der Fall.

„Better Place“ scheiterte an den hohen Kosten

Daran ist letztlich auch „Better Place“ gescheitert. Mit Renault fand sich nur ein Hersteller, der die eigenen Autos entsprechend konstruierte. Damit aber war die Kundenbasis zu klein, um die enormen Kosten zu refinanzieren. Damals schlug der Bau einer Wechselstation mit zwei Millionen Euro zu Buche, jede Batterie kostete zudem noch einmal 10.000 Euro. Inzwischen dürften die Preise ein wenig gesunken sein. Außerdem ist die Zahl der Elektroautos insgesamt weiter angestiegen, sodass Nio sich einen guten Zeitpunkt für die Neuauflage der Idee ausgesucht haben könnte. Letztlich dürfte der Ansatz aber nur funktionieren, wenn sich auch andere Hersteller dem System anschließen und so eine ausreichend große Nutzerzahl generiert werden kann.


Via: Wiwo

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1 Kommentar

  1. Hal

    6. Dezember 2018 at 10:05

    Wieviele Batterien bräuchte man für ein solches System, wenn die Mehrzahl der Fahrzeuge weltweit auf diese Weise „betankt“ würden?

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