Die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung hat in weiten Teilen Europas innerhalb eines Jahrzehnts spürbar zugenommen. Ein internationales Forschungsteam um Alois Schmalwieser von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Sebastian Lorenz vom deutschen Bundesamt für Strahlenschutz wertete Daten von vierzig Messstationen zwischen 2013 und 2022 aus. An 26 der Stationen stieg der Jahresmittelwert statistisch signifikant, mit Raten zwischen 0,46 und 2,6 Prozent pro Jahr und einem Median von etwa 1,2 Prozent. Auf das gesamte Jahrzehnt gerechnet entspricht das einem Plus von rund elf Prozent. Bei einer mittleren Tagesdosis von etwa vierzehn Standard-Erythem-Dosen summiert sich das auf ungefähr 1,7 SED zusätzliche Belastung über zehn Jahre.


Mitteleuropa an der Spitze

Der Anstieg verteilt sich nicht gleichmäßig über den Kontinent. Am stärksten und am einheitlichsten fällt er in Mitteleuropa aus, während die Trends Richtung Norden und Süden schwächer werden. Weite Teile Spaniens und die Insel Lampedusa zeigen praktisch keine Veränderung. Im Alpenraum wechseln sich starke und schwache Trends auf engem Raum ab, was die Autoren mit lokaler Topografie und Schneebedeckung erklären. Schmalwieser fasst das Muster so zusammen: Die Messreihen zeigten ein großräumiges, aber regional unterschiedlich starkes Plus an UV, das sich mit Trends der globalen Solarstrahlung aus Satellitendaten decke.


Wolken statt Ozon als Treiber

Für die Ursachenforschung verglich das Team die UV-Werte mit Sonnenscheindauer, Ozonsäule und Aerosolbelastung. An 21 von 27 Stationen mit Sonnenscheindaten stimmte der Trend bei UV-Strahlung und Sonnenschein überein. Weniger Bewölkung erklärt damit den größten Teil des Anstiegs. Die Ozonschicht spielt dagegen praktisch keine Rolle: An keiner der vierzig Stationen fand sich ein signifikanter Rückgang der Gesamtozonsäule im untersuchten Zeitraum. Auch Aerosole trugen den Daten zufolge nur wenig zum Muster bei. Satellitenmessungen zur globalen Solarstrahlung zeigen ein ähnliches großräumiges Bild wie die Bodenstationen, was die Wolkenhypothese zusätzlich stützt.

Sommer bleibt entscheidend

Die Zunahme konzentriert sich nicht auf eine Jahreszeit. An 38 der vierzig Stationen stieg die UV-Dosis in mindestens einem Monat signifikant, besonders häufig im Januar, Februar, Juni und Oktober. Prozentual fallen die Zuwächse im Winter mancherorts sogar am größten aus. Für die gesundheitlich relevante Gesamtdosis bleibt jedoch der Sommer maßgeblich, weil die UV-Strahlung dann ohnehin am höchsten liegt. Was eine höhere Bodendosis für die tatsächliche Hautkrebsrate bedeutet, lässt sich aus den Daten allein nicht ableiten, denn die Studie hat ausschließlich Strahlung gemessen, keine Erkrankungen. Alter, Hauttyp, Aufenthaltsdauer im Freien und Schutzverhalten beeinflussen das individuelle Risiko zusätzlich.

Der untersuchte Zeitraum ist mit zehn Jahren vergleichsweise kurz. Sechs länger zurückreichende, lückenlose Messreihen deuten darauf hin, dass die signifikanten Zunahmen meist zwischen 2010 und 2013 einsetzten. Ob sich der Trend in den kommenden Jahrzehnten fortsetzt, lässt sich daraus noch nicht ableiten. Die Autoren fordern deshalb dichtere, dauerhaft qualitätsgesicherte Messnetze in Kombination mit Satellitendaten, um regionale Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

via

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.