Der weltweite Ausbau der Solarenergie beschleunigt sich rasant, doch die ersten großen Modul-Generationen erreichen bald das Ende ihrer Lebensdauer. Ein internationales Team um Jiashuo Li von der Shandong University und Jian Zuo von der University of Adelaide hat nun berechnet, wie viel Elektroschrott dadurch entsteht und welche wirtschaftlichen Chancen im Recycling stecken. Die im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie modelliert 1.708 Recyclingszenarien für 32 Weltregionen und liefert damit die bisher detaillierteste Prognose zur globalen Solarabfall-Zukunft. Sie berücksichtigt dabei nicht nur Technologien und Rohstoffpreise, sondern auch Förderpolitik und internationalen Handel, und zeigt so erstmals, wie stark sich wirtschaftlicher Nutzen und Umweltlasten zwischen den Regionen unterscheiden können.


China wird zum größten Abfallproduzenten

Der weltweite Zubau an Solarkapazität stieg von 357 Gigawatt im Jahr 2023 auf 510 Gigawatt im Jahr 2025. Da Solarmodule nach etwa 30 Jahren ausgetauscht werden müssen, prognostizieren die Forscher:innen ein Abfallvolumen von 297 bis 402 Millionen Tonnen bis 2060. Bis 2040 stammt der Großteil des Abfalls noch aus einkommensstarken Regionen wie der EU. Danach verschiebt sich die Verteilung deutlich: China wird bis 2060 mit 112,8 bis 160,5 Millionen Tonnen für mehr als ein Drittel des globalen Solarabfalls verantwortlich sein, weit vor den USA und der EU. Die Module enthalten wertvolle Rohstoffe wie Silizium, Silber, Kupfer und Tellur, gleichzeitig aber auch giftige Metalle wie Blei und Cadmium, was fachgerechtes Recycling zur Notwendigkeit macht.


Ein Markt mit ungleich verteiltem Gewinn

Laut Modell kann das globale Solarrecycling bis 2060 einen wirtschaftlichen Netto-Nutzen von bis zu 935,5 Milliarden US-Dollar erzielen und gleichzeitig bis zu 3,32 Gigatonnen CO₂-Äquivalente einsparen. Den größten Gesamtnutzen erreichen Szenarien, die regionale Recyclingtechnologien mit grenzüberschreitendem Handel kombinieren. Genau dieser Handel sorgt jedoch für ein Verteilungsproblem: Recyclingaktivitäten konzentrieren sich zunehmend in Regionen mit fortschrittlicher, kostengünstiger Technologie, vor allem in oberen Einkommensländern wie China und Südkorea. Länder mit geringem Einkommen tragen zwar Umweltlasten, erhalten aber selbst im günstigsten Szenario nur einen verschwindend kleinen Anteil der wirtschaftlichen Vorteile. Verteilen Regierungen den Handel stattdessen breiter über mehrere Regionen, sinkt zwar die Ungleichheit spürbar, gleichzeitig schrumpft aber auch der weltweite Gesamtgewinn, weil Abfall dann auch in Regionen mit schwächeren Lerneffekten und höheren Kosten landet. Die Forscher:innen sprechen deshalb von einem klaren Zielkonflikt zwischen maximalem Nutzen und gerechter Verteilung.

Sinkende Subventionen als Ausweg

Die Forscher:innen um Zuo testeten fünf verschiedene Förderansätze und fanden eine überraschend effiziente Lösung: ein Modell mit schrittweise sinkenden Subventionen. Es verringert die Kluft zwischen den Regionen fast genauso stark wie dauerhafte Förderungen, kostet dabei aber nur einen Bruchteil, teils weniger als zwölf Prozent der Ausgaben eines Dauerförderprogramms. Sobald das Recycling in einer Region wirtschaftlich trägt, wird die Unterstützung automatisch zurückgefahren. Mittlere Einkommensregionen erreichen diesen Punkt den Berechnungen zufolge bereits um das Jahr 2032, einkommensstarke Regionen erst um 2040.

Die Autor:innen betonen, dass technischer Fortschritt allein das Problem nicht löst. Erst wenn internationale Mechanismen wie der Green Climate Fund oder die Global Environment Facility Kapital und Know-how gezielt in einkommensschwache Regionen lenken, kann aus dem wachsenden Solarabfall tatsächlich eine faire und globale Kreislaufwirtschaft werden.

via Nature

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