Wer am Erscheinungstag eines großen Musikalbums Auto fährt, geht offenbar ein höheres Risiko ein. Das legt eine Studie nahe, die tödliche Verkehrsunfälle in den USA rund um die Veröffentlichung besonders gestreamter Alben untersucht hat. Anlass für die Untersuchung waren Berichte über Verkehrsunfälle, bei denen Fahrer:innen offenbar mit dem Wechseln von Songs oder Playlists beschäftigt waren, während neue Musik ihrer Lieblingskünstler:innen erschien. Fünfzehn Prozent mehr tödliche Unfälle Forschende von der Harvard Medical School werteten die zehn meistgestreamten Alben auf Spotify zwischen 2017 und 2022 aus, darunter drei Werke von Taylor Swift sowie Veröffentlichungen von Drake, Harry Styles und Kendrick Lamar. Sie verglichen die Zahl tödlicher Unfälle am jeweiligen Release-Tag mit den zehn Tagen davor und danach und kontrollierten dabei für Feiertage und andere Einflussfaktoren. Ergebnis: An Erscheinungstagen starben im Schnitt neunzehn Menschen mehr auf US-Straßen, ein Anstieg von 15,1 Prozent. Hochgerechnet auf alle zehn Alben kommen die Autor:innen auf etwa 182 zusätzliche Todesfälle. Als Datengrundlage diente das landesweite US-Unfallregister, das sämtliche tödlichen Verkehrsunfälle erfasst und detaillierte Angaben zu Fahrzeug, Wetter und beteiligten Personen enthält, was den Vergleich einzelner Tage erst möglich machte. Das Smartphone als Unfalltreiber Einen direkten Beweis für Ablenkung durch Musik liefert die Studie nicht, da sich ein Experiment mit Autofahrer:innen aus ethischen Gründen verbietet. Die Muster im Datensatz sprechen aber dafür: Besonders betroffen waren Fahrzeuge mit nur einer Person an Bord, ältere Modelle ohne Infotainmentsystem und Fahrten bei klarem Wetter, also Bedingungen, unter denen Ablenkung am ehesten zum Risikofaktor wird statt äußerer Umstände wie Glätte oder Nebel. Die Forschenden vermuten deshalb, dass insbesondere die Smartphone-Nutzung beim Musiksuchen und Wechseln zwischen Playlists eine Rolle spielt. Auffällig war zudem der zeitliche Verlauf: Der Anstieg tödlicher Unfälle konzentrierte sich auf die ersten Stunden nach Mitternacht, wenn neue Alben typischerweise auf Streaming-Plattformen freigeschaltet werden und viele Fans sofort reinhören wollen. Am stärksten schlug der Effekt bei den Veröffentlichungen von Taylor Swift zu Buche, was angesichts ihrer besonders aktiven und jungen Fangemeinde wenig überrascht, ließ sich aber auch bei den übrigen neun Alben nachweisen. Nicht nur ein Swift-Problem Jüngere Fahrer:innen waren unter den Todesopfern überdurchschnittlich vertreten, ebenso Männer. Die Studienautor:innen betonen, dass sich ihre Ergebnisse nicht auf einen einzelnen Star zurückführen lassen. Ablenkung durch das Smartphone gilt ohnehin als einer der größten Risikofaktoren im Straßenverkehr, Musikstreaming reiht sich hier neben Textnachrichten und Kartendiensten ein. Die Autor:innen schlagen deshalb vor, Playlists schon vor Fahrtantritt einzurichten oder die Musikauswahl per Sprachsteuerung statt manuell am Display vorzunehmen. Auch Streaming-Dienste könnten laut den Forschenden gegensteuern, etwa indem sie neue Alben künftig zu verkehrsärmeren Tageszeiten veröffentlichen. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal JAMA Network Open. via Harvard University Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter
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