Von Bars und Diskotheken kennt man das Konzept bereits: In der Happy Hour werden bestimmte Getränke zu reduzierten Preisen angeboten. Zumeist wird dies genutzt, um in normalerweise wenig frequentierten Zeiten zusätzliche Kunden anzulocken. Die finnische Supermarktkette S-Market hat dieses Konzept nun übernommen. In allen 900 Filialen des Konzerns wird zukünftig jeden Tab ab 21:00 Uhr die Happy Hour ausgerufen. Allerdings gibt es keine Cocktails zu günstigen Preisen, sondern die Preise für Fleisch- und Fischprodukte werden stark reduziert. Kunden können so selbst bei schon preisreduzierter Ware noch einmal bis zu sechzig Prozent sparen. Die Idee dahinter: Auf diese Weise sollen Produkte noch verkauft werden, bevor um Mitternacht das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft.


Supermärkte stehen immer wieder in der Kritik, weil sie noch genießbare Lebensmittel entsorgen (Symbolbild).

Das Experiment soll zunächst zwei Jahre dauern

Weil die allermeisten Speisen aber auch danach noch vergleichsweise lange genießbar sind, ergibt sich eine Win-Win-Situation: Die Kunden sparen Geld und der Supermarkt muss weniger eigentlich noch gute Lebensmittel entsorgen. Ganz ungefährlich ist dieser Ansatz aus wirtschaftlicher Sicht allerdings nicht. Denn es drohen Kannibalisierungseffekte. So könnten Kunden, die bisher tagsüber ganz normal ihre Fleisch- und Fischprodukte gekauft haben, nun bewusst auf die Abendstunden ausweichen. Dadurch würden zwar die Einnahmen während der Happy Hour steigen. Die Umsätze am Tag würden aber darunter leiden. Das auf zwei Jahre angelegte Experiment in Finnland dürfte nun zeigen, ob sich das Konzept für die Betreiber der Supermärkte trotzdem lohnt.

Auch in Deutschland tobt eine Diskussion um Lebensmittel im Müll

Auch in Deutschland wird Ware in der Regel rabattiert, kurz bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht wird. Dies geschieht aber laufend den ganzen Tag über und nicht konzentriert zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Idee der finnischen Supermarktkette könnte somit auch die Diskussionen hierzulande befruchten. Denn Kritiker werfen den deutschen Supermarktketten vor, deutlich zu viele noch genießbare Lebensmittel zu entsorgen. Exemplarisch dafür steht die Diskussion um das sogenannte Containern – also das Entnehmen von weggeworfenen Waren aus dem Müll. Rein rechtlich stellt dies bisher einen Diebstahl dar. Versuche dies auf politischer Ebene zu ändern, scheiterten vor einigen Monaten. Eine Happy Hour könnte dazu beitragen, diese Problematik zumindest ein bisschen zu entschärfen.


Via: Treehugger

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