Die Stadtwerke Kiel bieten künftig gleich 20 Erdgasmotoren und ebenso viele Generatoren auf, um Schwankungen bei der Einspeisung von Solar- und vor allem von Windstrom abzufangen. Wenn zu viel Strom eingespeist wird, kann das Kraftwerk namens K.I.E.L. (Kiels intelligente Energie-Lösung) in 20 Schritten heruntergefahren werden. Ebenso flexibel lässt es sich bei Strommangel einsetzen. „Das europaweit einzigartige Projekt setzt neue Maßstäbe in Sachen Flexibilität, Effizienz und ökologischer Nachhaltigkeit“, sagt Stadtwerke-Vorstandsvorsitzender Frank Meier. Der Aufsichtsrat stimmte jetzt der für die Energiewende wichtigen 290-Millionen Investition an der Kieler Förde zu.


Heißwasserspeicher ist schon fast fertig

Die Anlage wird nicht nur Strom liefern, sondern auch Energie ins Fernwärmenetz einspeisen. Die Leistung beträgt jeweils 190 Megawatt, wenn alle Motoren in Betrieb sind. Um zu verhindern, dass die Fernwärmeversorgung ausfällt, wenn das Kraftwerk keinen Strom produziert, wird K.I.E.L. mit einem Heißwasserspeicher ausgestattet. Er ist 60 Meter hoch und fasst 30 Millionen Liter. Während das Kraftwerk, das Kraftanlagen München mit Gasmotoren der General-Electric-Tochter Jenbacher errichtet, erst in zwei Jahren fertig ist, soll der Speicher noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.


Riesiger Tauchsieder frisst Überschussstrom

Angeschlossen ist ein so genannter Elektrodenkessel, eine Art riesiger Tauchsieder, der Wasser auf eine Temperatur von 115 Grad Celsius erhitzt. Trotzdem siedet das Wasser nicht: Es steht unter Druck. Eingeschaltet wird der Tauchsieder immer dann, wenn zu viel Strom ins Netz eingespeist wird. Damit ist er Teil des Regelenergiemarktes. Die Tauchsiederfunktion verhindert, dass Strom verschenkt oder gar mit einem Bonus abgegeben werden muss. Wenn K.I.E.L. fertig ist wird Wärme, die keine Abnehmer findet, ebenfalls im Wärmespeicher gelagert. Die gespeicherte Energie reicht, um die 70.000 angeschlossenen Fernwärmekunden acht Stunden lang zu versorgen.
Das motorische Blockheizkraftwerk hat einen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent. Es ersetzt ein Heizkraftwerk am gleichen Standort, das mit Steinkohle betrieben wird. Die Kohlendioxidemissionen sinken um stolze 70 Prozent.

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