In den meisten europäischen Ländern versuchen die Regierungen, die CO2-Emissionen des Verkehrssektors durch mehr Elektrofahrzeuge zu reduzieren. Dies ist grundsätzlich auch dringend nötig. Denn während die Emissionen in allen anderen Sektoren im Vergleich zum Referenzjahr 1990 gesunken sind, verblieben die Werte im Verkehrswesen konstant. Der Hintergrund: Zwar sind die Verbrennungsmotoren in den letzten dreißig Jahren durchaus effizienter geworden. Doch gleichzeitig hat auch die Zahl der Fahren so stark zugenommen, dass letztlich ein Nullsummenspiel dabei herauskam. In Schweden versucht die Regierung das Problem nun mit einem neuen Ansatz zu lösen: Besitzer von alten Autos erhalten einen staatlichen Zuschuss, wenn sie den Antrieb auf Ethanol oder Biogas umrüsten. Es bleiben dann zwar auch weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – die Klimabilanz verbessert sich aber deutlich.


Hinrich [CC BY-SA 2.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Theoretisch könnten 2,7 Millionen Autos umgerüstet werden

Grundsätzlich verspricht der Staat, die Hälfte der Umrüstungskosten zu übernehmen. Die Summe ist aber jeweils gedeckelt: Wer auf Ethanol-Antrieb umstellt, erhält maximal 480 Euro. Bei Biogas-Umbauten gibt es sogar bis zu 2400 Euro. Insgesamt hat die Regierung zunächst einmal 1,92 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dies würde selbst im günstigsten Fall nur für rund viertausend Umrüstungen reichen. Es wurde daher bereits klargestellt, dass die Summe notfalls auch erhöht wird, sollte die Zahl der Anträge höher ausfallen. Zumindest theoretisch ist das Potenzial für Umrüstungen in Schweden deutlich größer. Den Angaben der Regierung zufolge könnten 2,7 Millionen Autos auf nachhaltigere Kraftstoffe umgerüstet werden. Gedacht ist die staatliche Hilfe in erster Linie für Personen, die sich kein neues Elektroauto leisten können, aber dennoch klimafreundlicher unterwegs sein möchten.

Die Emissionen sinken um bis zu achtzig Prozent

Allerdings ist die Klimabilanz von Ethanol im Tank nicht unumstritten. Denn in der Vergangenheit wurden für die Produktion auch Soja und Palmöl genutzt, für deren Anbau wiederum Regenwälder gerodet wurden. Inzwischen ist Schweden aber selbst in die Produktion eingestiegen und nutzt vorwiegend Abfälle aus der Lebensmittelindustrie sowie Getreide. Bei dieser Form der Herstellung verringern sich die CO2-Emissionen gegenüber klassischem Ottobenzin um rund achtzig Prozent. Wirklich lohnenswert ist die Umrüstung für Autobesitzer aber nur, wenn sie anschließend an der Zapfsäule nicht draufzahlen. Genau dies könnte zukünftig aber drohen. Denn aktuell ist der E85 genannte Biosprit nur wenige Cent günstiger als klassisches Benzin. Gleichzeitig ist der Energiegehalt aber niedriger. Falls die EU zudem tatsächlich die Streichung einiger Steuervorteile durchsetzt, könnte der Biosprit sogar teurer werden als die klassische Alternative.


Via: Der Spiegel

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