Die AMC Theatres können in den Vereinigten Staaten auf eine lange Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde das Unternehmen bereits im Jahr 1920. Im Laufe der Zeit war der Konzern zudem für einige bahnbrechende Innovationen verantwortlich. So wurde 1995 in Dallas das weltweit erste Multiplex-Kino eröffnet. Inzwischen handelt es sich streng genommen aber nicht mehr um ein amerikanisches Unternehmen. Denn die Mehrheit erwarb im Jahr 2016 die chinesische Wanda Group für stolze 2,6 Milliarden Dollar. Anschließend wurden noch einige Konkurrenten übernommen, sodass es sich inzwischen um die größte Kinokette der Welt handelt. Insgesamt betreibt die Firma weltweit mehr als 1.000 Kinos. Aktuell sind dort aufgrund der Corona-Krise aber keine Filme zu sehen. Schlagzeilen macht die Kette nun allerdings trotzdem, weil ein prominenter möglicher Käufer auf den Plan getreten ist.


Bild: Coolcaesar at the English language Wikipedia / CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Das klassische Kino hat mit Problemen zu kämpfen

Einem Bericht der englischen Tageszeitung Daily Mail zufolge ist ausgerechnet der Amazon-Konzern am Kauf der Firma interessiert. Auf den ersten Blick scheint dies nur wenig Sinn zu ergeben. Denn eigentlich ist das Bild in der Öffentlichkeit klar: Dem Streaming gehört die Zukunft, während das klassische Kino immer weiter an Bedeutung verliert. Warum sollte Amazon, das mit Prime Video einen der erfolgreichsten Streaming-Dienste überhaupt betreibt, also Interesse an einer angeschlagenen Kinokette haben? Bei genauerer Betrachtung gibt es allerdings doch einige Punkte, die ein Interesse zumindest erklären könnten. Zunächst einmal handelt es sich um eine extrem günstige Kaufgelegenheit. Denn der Börsenwert der Firma liegt inzwischen nur noch im niedrigen mittleren dreistelligen Millionen-Bereich. Amazon müsste aktuell also vergleichsweise wenig Geld in die Hand nehmen.

Amazon-Produktionen könnten landesweit ins Kino kommen

Auch aus strategischer Sicht könnte der Kauf einige Vorteile mitbringen. So verfügt AMC in den Vereinigten Staaten und Großbritannien über ein recht flächendeckendes Netz an Kinos. Dies erleichtert es, die Eigenproduktionen landesweit auf die Leinwand zu bringen. Denn laufen die Filme erst einmal in den Amazon-Kinos müssen auch die anderen Betreiber nachziehen, um nicht einen möglichen Kassenschlager zu verpassen. Ein positiver Nebeneffekt: Amazon-Filme dürften dadurch auch bessere Chancen bei der Oscarverleihung haben. Denn dort wird noch immer – offiziell und inoffiziell – viel Wert auf eine möglichst große Leinwand-Präsenz gelegt. Hinzu kommt: Durch die Kinos würde auch der Streaming-Dienst selbst profitieren. Zum einen weil die Eintrittsgelder helfen könnten, einen Teil der Produktionskosten zu decken. Zum anderen ließen sich Kunden so aber auch besser an das Prime-Angebot binden – etwa indem sie regelmäßig vergünstigte oder sogar kostenlose Kinokarten erhalten.


Noch ist der Kauf nicht in trockenen Tüchern

Denkbar wäre zudem noch eine etwas ausgefallene Idee. So verweisen Experten darauf, dass die Kinos aufgrund ihrer Lage zumindest theoretisch auch als Logistikstandort genutzt werden könnten. So wäre es etwa möglich, dort Mikro-Depots einzurichten, von denen aus die Bestellungen dann an die Endkunden geliefert werden. Inwiefern solche Überlegungen aber aus baulicher Sicht realistisch sind, muss wohl jeweils im Einzelfall entschieden werden. Es wäre aber zumindest ein extrem spannender Ansatz. Letztlich gibt es also durchaus einige gute Gründe für einen Kauf der Kinokette durch Amazon. Auf der anderen Seite existieren aber auch gewichtige Gegenargumente – etwa die hohe Verschuldung des Unternehmens in Höhe von mehr als fünf Milliarden Dollar. Es bleibt also abzuwarten, ob man zukünftig tatsächlich bei Amazon auch ins Kino gehen können wird.

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