Tenside machen Wasser weich, sodass es in der Lage ist, Fett etwa von Tellern zu entfernen. Sie sind dafür verantwortlich, dass Kinder mit Seifenblasen spielen können, und dass die Wäsche sauber wird. Bisher werden sie auf der Grundlage von Erdöl oder Palmöl hergestellt. Künftig sind Bakterien dafür zuständig, jedenfalls wenn es nach der Vorstellung von Rudolf Hausmann, Professor für Bioverfahrenstechnik an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Surfactin, ein bakterielles Biotensid und Biozid, das als Antibiotikum verwendet wird, hat es ihm und seinem Team angetan. Es ist weitaus effektiver als bisher eingesetzte Tenside, hat aber einen Nachteil. Wegen der geringen Ausbeute ist es so teuer, dass es nicht konkurrenzfähig ist.


Bild: Universität Hohenheim / Oskar Eyb

Bakterium gefährdet sich selbst

Genau das wollen die Stuttgarter Forscher ändern. Es ist ihnen bereits gelungen, in einem Liter Nährlösung 26 Gramm Surfactin herzustellen. „Das hat bisher noch niemand geschafft“, so der ob des Erfolges stolze Forscher. Natürlicher Surfactin-Produzent ist das Bakterium Bacillus subtilis. Die Ausbeute könnte noch größer sein, wenn dieser Mikroorganismus sich durch sein eigenes Stoffwechselprodukt den Garaus machte, wenn die Konzentration zu hoch ist. Es ist schließlich ein natürliches Antibiotikum. Den frühen Tod wollen die Forscher durch eine Genmanipulatation verhindern, die das Bakterium gegen Surfactin immunisiert.

Surfactin gegen Waschmaschinen-Gerüche

Der Mikroorganismus gilt wegen seiner außergewöhnlich starken Oberflächenaktivität, seiner bioaktiven Eigenschaften und den damit verbundenen Anwendungsmöglichkeiten als eines der vielversprechendsten Biotenside mit großem Potenzial. „Surfactin kann beispielsweise sehr effektiv die Bildung von Biofilmen verhindern oder zu ihrer Ablösung beitragen“, so Hausmann. „Vereinfacht ausgedrückt sind Biofilme eine Schleimschicht, in der Bakterien leben, die sie vor der Umgebung schützt.“ Biofilme seien der Grund für üble Gerüche, die aus der Waschmaschine dringen, vor allem, wenn aus ökologischen Gründen fast ausschließlich bei niedrigen Temperaturen gewaschen werde.


Keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

Die Stuttgarter Forscher sehen sich von den Verbrauchern gestärkt. Sie verlangten zunehmend gesunde und umweltfreundliche Produkte. Mit Hilfe von Bakterien hergestellte Biotenside seien nicht nur zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Ihre Herstellung stehe auch nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion oder nutze das umstrittene Palmöl als Ausgangsmaterial. Dieses wird in Plantagen gewonnen, für die oft Regenwälder abgeholzt werden.

 

via Uni Hohenheim

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