Bis zum Jahr 2008 ging es im Hafen von Piräus eher gemütlich zu. Über die vom griechischen Staat betriebenen Anlagen wurden damals 433.582 Containereinheiten jährlich abgewickelt. Im Zuge der Finanzkrise wurde Griechenland dann allerdings zur Privatisierung gezwungen. Damit kam der chinesische Staatskonzern China Ocean Shipping Company (Cosco) ins Spiel. Dieser sicherte sich zunächst einen Pachtvertrag zum Betrieb eines neuen Containerpiers. Später kaufte das Unternehmen dann die Mehrheit an der Hafengesellschaft. Wirklich geschadet hat dies dem Hafen von Piräus bisher nicht: Im vergangenen Jahr wurden dort 5,65 Millionen Containereinheiten umgeschlagen. Im Vergleich zum Jahr 2008 entspricht dies einer Steigerung um den Faktor Dreizehn. Selbst die Corona-Krise konnte dieser Erfolgsgeschichte nicht viel anhaben. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Wareneingang gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar an. Piräus ist damit inzwischen in diesem Punkt der größte Hafen des Mittelmeers und der viertgrößte in Europa insgesamt.


Bild: Martin Abegglen from Bern, Switzerland / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Die Container werden in Piräus neu verladen

Dazu beigetragen hat zum einen die günstige Lage des Hafens. Denn Piräus ist der erste europäische Hafen, den die Containerschiffe nach der Durchquerung des Suez-Kanals ansteuern können. Längst nicht alle der dort ankommenden Waren werden daher auch in Griechenland benötigt. Vielmehr dient der Hafen als eine Art gigantischer Warenumschlagplatz: Die einzelnen Container werden dort auf verschiedene kleinere Schiffe verteilt. Außerdem gibt es einen Eisenbahnanschluss, der den direkten Weitertransport nach Ost- und Mitteleuropa ermöglicht. Gleichzeitig haben bei der positiven Entwicklung auch gewaltige chinesische Investitionen geholfen. Denn es handelt sich um ein Vorzeigeprojekt im Rahmen der sogenannten Seidenstraßen-Initiative, mit der sich die chinesische Regierung weltweit wirtschaftlichen und politischen Einfluss sichern will. Trotz der Corona-Krise fließen daher auch jetzt – wie vertraglich vereinbart – rund 300 Millionen Euro in den Ausbau des Hafens.

Bald sollen Kreuzfahrtschiffe von dort aus in See stechen

Inzwischen allerdings lohnt sich der Betrieb des Hafens für den chinesischen Konzern auch finanziell: Im vergangenen Jahr blieb bei einem Umsatz von knapp 150 Millionen Euro immerhin ein Nettogewinn von 35,4 Millionen Euro übrig. Der griechische Staat erhielt zudem Konzessionsabgaben in Höhe von 5,4 Millionen Euro. Zusätzliche Einnahmen sollen zukünftig auch abseits des Containergeschäfts erzielt werden. So wurde inzwischen der Bau eines neuen Kreuzfahrtterminals inklusive Fünf-Sterne-Hotels und Shopping Center in Auftrag gegeben. Den Zuschlag erhielt der griechische Baukonzern Tekal. Mit der Fertigstellung ist in zwei bis drei Jahren zu rechnen. Dann – so die Hoffnung der chinesischen Manager – dürfte sich die Kreuzfahrtbranche von den Folgen der Corona-Pandemie erholt haben. Der Bau eines vierten Containerpiers wurde hingegen im Zuge der aktuellen Krise zunächst einmal verschoben. Auch so bietet sich in Piräus aber noch genug Wachstumspotential. Theoretisch könnten dort schon jetzt rund 7,2 Millionen Containereinheiten umgeschlagen werden – rund dreißig Prozent mehr als im letzten Jahr.


Via: Handelsblatt

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