Clubhouse ist der neue Hype auf dem Social-Media-Sektor. Noch immer funktioniert die Teilnahme nur mit expliziter Einladung – und auf iOS. Wer Android nutzt, muss draußen bleiben, ebenso wie alle, die über kein Vitamin B verfügen. Die künstliche Verknappung weckt Begehrlichkeiten, vor zwei Wochen landete App auf Rang 1 der deutschen Download-Charts. Schuld daran sind auch erste Skandale.


Ein vertrauliches Gespräch im abgeschiedenen Raum?

Thüringens Ministerpräsident Ramelow nannte die Kanzlerin während eines Clubhouse-Talks »Merkelchen« und erzählte im Plauderton, dass zehn Level Candy Crush während einer Regierungskonferenz kein Problem für ihn seien: Diese Nachricht hat es längst durch alle Medien geschafft. Von einem vertraulichen Gespräch im abgeschiedenen Raum kann also keine Rede sein, vielleicht dämpft das schon allein die Mitteilungslust der Beteiligten. Oder es weckt die Lust, selbst Skandale zu provozieren – je nachdem, wie der Chatteilnehmer beschaffen ist.


»Die Menschen brauchen etwas, was sie begeistert«

Bei Clubhouse reden die Menschen miteinander, statt zu schreiben und Bildchen auszutauschen. Die visuelle Überflutung findet hier also ein Ende, mündet aber vielleicht in einem akustischen Tsunami. Im ungezwungenen Dialog entsteht automatisch eine vertrauliche Stimmung, doch je nach Raum kann das gesprochene Wort für Tausende live hörbar sein und entsprechend nach draußen getragen werden. Johnny Haeusler als Mitbegründer der Web-2.0-Konferenz re:publica sieht im Clubhouse-Konzept durchaus Potential. Er weist darauf hin, dass die Menschen »gerade jetzt mal wieder etwas (brauchen), was sie begeistert.« Und: »Hauptsache, die Menschen reden wieder miteinander«.

Spätestens bei 5.300 Zuhörern ist derzeit Schluss

Im Clubhouse kann jeder, der will, seine eigene Podiumsdiskussion starten und moderieren. Einige User werden kreativ, sie erstellen ihr eigenes Radioprogramm und ködern damit ihr Publikum. Spätestens bei 5.300 Zuhörern ist aber derzeit Schluss, wenn der Chef im Ring die Schwelle nicht niedriger setzt. Mit am Bord sind zahlreiche Promis aus Politik, Sport, Entertainment und Journalismus. Der 70-jährige Thomas Gottschalk fand im ersten Anlauf nicht sein digitales Mikrofon, doch sprengte er danach die Zuhörergrenze.

Viele Hypes kamen auf und verschwanden im Nirwana. Wird es Clubhouse wie den längst vergessenen Social-Media-Flops Ello oder Vero ergehen? Macht vielleicht der Konkurrent »Spaces« von Twitter vor Clubhouse das Rennen? Entpuppt sich der Hype als Luftnummer oder als Beginn eines neuen virtuellen Zeitlalters? Wir dürfen gespannt sein.

Quelle: berliner-zeitung.de

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