Vor der aktuellen Corona-Krise bestimmte monatelang der anstehende Brexit die internationalen Schlagzeilen. Inzwischen existiert zumindest eine grundlegende Vereinbarung zwischen der britischen Regierung und der Europäischen Union. Einzelne Aspekte sind allerdings bis heute noch umstritten. In jedem Fall werden auf der britischen Insel nun langsam die Folgen des Austritts offensichtlich. So klagen die Transportunternehmer des Landes über einen Mangel an Lastwagenfahrern. Dies hat in den letzten Wochen bei einigen bekannten Firmen zu Lieferschwierigkeiten geführt. So berichteten die Supermärkte von den niedrigsten Lagerbeständen seit Beginn entsprechender Aufzeichnungen. Bei der Fast-Food-Kette Nando’s Chicken wiederum ging der Nachschub an Hähnchen aus – weshalb zahlreiche Filialen schließen mussten. Selbst McDonalds blieb von den Folgen nicht unverschont: Zahlreiche Kunden mussten auf ihren Milchshakes verzichten. Nun schlagen sogar die legendären britischen Pubs Alarm.


Die Anwerbung ausländischer LKW-Fahrer ist extrem kompliziert geworden

Denn unter anderem bei den Marken Carling und Coors stockt der Nachschub. In zahlreichen Pubs müssen die entsprechenden Zapfhähne daher aktuell gezwungenermaßen trocken bleiben. Betroffen davon ist unter anderem auch die Kette JD Wetherspoon. Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn Wetherspoon-Chef Tim Martin gehörte zu den lautstarken Befürwortern des Brexit. Nun entschuldigte sich seine Firma und versprach, gemeinsam mit den Brauereien an einer Lösung des Problems zu arbeiten. Eine Forderung des Unternehmenschefs richtet sich dabei an die Politik: Sie soll eine unkomplizierte Einreise von entsprechenden Fachkräften ermöglichen. Tatsächlich spielt hier der Brexit eine entscheidende Rolle: Denn zahlreiche LKW-Fahrer aus Europa haben Großbritannien inzwischen verlassen, weil sich ihr rechtlicher Status geändert hat. Neue Fahrer aus dem Ausland anzuwerben, ist aufgrund der komplizierter gewordenen Visa-Regeln aber gar nicht so einfach.


Zahlreiche Fahrer befinden sich in Selbstisolation

Hinzu kommen die Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemie. Denn in Großbritannien wurden inzwischen zwar die meisten Anti-Corona-Regeln abgeschafft oder stark zurückgefahren. Noch immer gilt aber: Wird eine Person durch die offizielle App des britischen Gesundheitssystems National Health Service auf einen potenziellen Kontakt mit einer infizierten Person hingewiesen, muss sie sich in Selbstisolation begeben. Bei den aktuell sehr hohen Inzidenzzahlen betrifft dies vergleichsweise viele Leute und hat in zahlreichen Branchen zum Ausfall von vielen Arbeitskräften geführt. Die Transportunternehmen sind hier besonders stark betroffen, weil sie – wie beschrieben – ohnehin schon unter einem starken Personalmangel litten. Die britische Regierung und die Gewerkschaften des Landes können der Situation allerdings durchaus etwas positives abgewinnen: Sie fordern die Transportunternehmen auf, verstärkt auf einheimische Arbeitskräfte zu setze – und diese schlicht besser zu bezahlen.

Via: Washington Post

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