Es sind nicht zuletzt die Borkenkäfer, die ganze Fichtenwälder zerstört haben. Die Trockenheit über mehrere Jahre hatte die Bäume so geschädigt, dass sie dem gefräßigen Gesellen nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Forscher der Technischen Universität Dresden eilen den noch verbliebenen Exemplaren sowie anderen Nadel und Laubbäumen jetzt zu Hilfe. Dazu benötigen sie kein Gift, sondern die Natur selbst. Sie locken Fressfeinde wie den Ameisenbuntkäfer an, der nichts lieber tut als Borkenkäfer naschen.


Fressfeinde werden angelockt

Normalerweise erschnüffelt der Ameisenbuntkäfer sein Futter. Borkenkäfer sondern so genannte Pheromone an, das sind Duftstoffe, die sie zur Kommunikation nutzen. Professor Michael Müller, Inhaber der Professur für Waldschutz an der Dresdner Hochschule, hat daraus mit seinem Team eine Variante entwickelt, die Borkenkäfer nicht mehr anlockt, sondern nur noch dessen Feinde. Er platziert sie mit seinem Team in Ampullen an gefälltem Holz. Prompt tauchen die Ameisenbuntkäfer auf und machen sich an die Arbeit – zum Wohle des Waldes.


Ameisenbuntkäfer lassen sich nicht verwirren

Im Verbundprojekt „bioProtect“, das in diesem Jahr ausläuft, haben die Forscher in der sächsischen Landeshauptstadt das Verfahre noch verbessert. In Laubwäldern setzen sie Kairomonen – so heißt diese Spezialform von Pheromonen – ein, die von Borkenkäfern abstammen, die Nadelwälder zerstören. In Nadelwäldern sind es Kairomonen aus Nadelwäldern. Den Ameisenbuntkäfern ist beides recht. Sie lassen sich in jedem Fall anlocken und futtern, was sich ihnen bietet. Die Borkenkäfer sind überlistet, denn sie kennen nur ihre eigenen Pheromone. Fremde sind für sie nicht zu „entziffern“. Im Idealfall werden sie sogar abgeschreckt.

Als Larven fressen die Ameisenbuntkäfer die Borkenkäferstadien, die bereits im Holz sind. Die Käfer „patrouillieren“ zudem auf der Rinde, wo sie anfliegende Borkenkäfer fangen und fressen. So verhindern oder vermindern sie den Befall. Das ist dringend nötig, denn ein Borkenkäferpaar hat bis zu 30.000 Nachkommen.

Ersatz für Insektizide

Die Kairomone lassen sich im Labor herstellen. In drei bis vier Jahre sind sie nach der Einschätzung von Müller serienreif. „Dann kaufen Waldbesitzer im Fachhandel keine Insektizide, sondern naturnahe Stoffe, die sie an Rohholzstapeln anbringen“, sagt der Käferexperte. Wenn die Zahl der Borkenkäfer drastisch reduziert wird schöpfen die Bäume neue Kräfte, sodass sie sich selbst gegen die Schädlinge verteidigen können.

via TU Dresden

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