Lithium wird schon seit vielen Jahren eingesetzt, um depressive oder selbstmordgefährdete Personen zu behandeln. Bis heute ist aber nicht ganz klar, wie genau der Stoff die Stimmung beeinflusst. Die jahrelange Praxis hat aber gezeigt, dass der Einsatz sehr wirkungsvoll sein kann. Lithium wird nicht nur von Ärzten verabreicht, sondern kommt auch auf ganz natürliche Art und Weise vor – etwa in unserem Trinkwasser. Forscher haben nun in einer groß angelegten Studie untersucht, inwieweit dies schon ausreicht, um die Zahl der Selbstmorde zu reduzieren. Insgesamt schauten sie sich dazu den Lithiumgehalt des Trinkwassers in 1.286 Orten in Japan, Österreich, den USA, England, Griechenland, Italien und Litauen an. Dieser schwankte von 3,8 Mikrogramm pro Liter bis hin zu Werten von mehr als 80 Mikrogramm pro Liter.


In der Psychiatrie liegt die Dosis rund 10.000 Mal höher

Anschließend glichen die Forscher diese Ergebnisse mit den offiziellen Selbstmordstatistiken in den entsprechenden Gebieten ab. Das Ergebnis: Es gibt eine eindeutige Korrelation. Vereinfacht ausgedrückt ist es so, dass mehr Lithium im Wasser einer Region mit einer niedrigeren Selbstmordrate einhergeht. Dies ist durchaus überraschend. Denn in der Psychiatrie werden die Patienten mit rund 200 Milligramm Lithium pro Tag behandelt. Die Dosis liegt somit rund 10.000 Mal so hoch wie die Aufnahme durch das normale Leitungswasser. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit aber schon Untersuchungen, die bereits ab 400 Mikrogramm eine positive Wirkung nachwiesen. Die nun vorgelegten Ergebnisse zeigen, dass dieser Wert sogar noch einmal etwas niedriger liegen könnte. Die Forscher wollen dies nun durch weitere Studien genauer untersuchen.


Die nächsten Schritte sind aus ethischer Sicht problematisch

„In diesen nie da gewesenen Zeiten der Covid-19-Pandemie und dem damit einhergehenden Anstieg der mentalen Gesundheitsprobleme, ist es umso wichtiger, neue Wege zu erforschen, um die mentale Gesundheit zu verbessern und das Auftreten von Angstzuständen, Depressionen und Selbstmorden zu reduzieren“, erklärte Anjum Memon, Hauptautor der Studie. Die nun geplanten nächsten Schritte sind allerdings nicht ganz unproblematisch. Denn um ihren Befund zu stützen, wollen die Forscher sogenannte „randomized community trials“ durchführen. Letztlich würde dies schlicht bedeuten, dass in einigen Gebieten zusätzliches Lithium ins Trinkwasser gegeben wird. Anschließend wollen die Forscher dann die Entwicklung der Selbstmordrate beobachten. Um einen Placebo-Effekt zu vermeiden müsste dies zudem im besten Fall geschehen, ohne dass die Einwohner darüber informiert werden. Ein solches Vorgehen muss aber zunächst unter ethischen Gesichtspunkten genau geprüft werden.

Via: Futurism

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