Einst verband die Deutsche Post mit dem Streetscooter große Hoffnungen. Der elektrische Lieferwagen sollte es ermöglichen, Pakete emissionsfrei und leise zuzustellen. Außerdem schien der Verkauf an andere Unternehmen ein lukratives Zusatzgeschäft zu ermöglichen. Doch das von der Post komplett übernommene Startup erwies sich als dauerhafter Verlustträger. So nahm der ehemalige Monopolist zwar 11.000 Elektro-Transporter in die eigene Flotte auf. Doch der Preis dafür war hoch: Weil sich nicht genug externe Käufer fanden, fiel Medienberichten zufolge alleine im vergangenen Jahr ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe an. Die Deutsche Post suchte daher zunächst nach einem weiteren Investor. Als sich aber kein zusätzlicher Geldgeber fand, wurde der Stecker gezogen: Ende Februar kündigte der Konzern an, die Produktion des Elektro-Lieferwagens vollständig einzustellen.


Bild: Superbass / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Vier Ministerien förderten die Entwicklung des Streetscooters

Neben der Deutschen Post hat auch der deutsche Steuerzahler viel Geld in den Streetscooter investiert. Dies räumte die Bundesregierung auf Nachfrage der Opposition ein. So wurde die Entwicklung des Lieferwagens gleich von vier Ministerien gefördert. Insgesamt flossen aus dem Wirtschafts-, dem Umwelt-, dem Verkehrs- und dem Forschungsministerium 35,3 Millionen Euro in das Projekt. Hinzu kommt noch die staatliche Kaufprämie für Elektrofahrzeuge in Höhe von bis zu 6.000 Euro. Diese wurde jedesmal ausgezahlt, wenn ein Streetscooter ausgeliefert wurde. Insgesamt überwies die Bundesregierung in diesem Rahmen 20,2 Millionen Euro – wovon ein Großteil an die Deutsche Post geflossen sein dürfte. Immerhin will das Unternehmen die bereits produzierten Fahrzeuge auch zukünftig nutzen. Ein Teil der ehemaligen Streetscooter-Belegschaft wird sich um die Instandhaltung dieser Flotte kümmern.

Der Elektro-Lieferwagen stand wiederholt in der Kritik

Grundsätzlich gehen Experten auch weiterhin davon aus, dass es einen Markt für elektrische Lieferfahrzeuge gibt. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Tatsache, dass sich der US-Handelsriese Amazon in den Vereinigten Staaten an einem entsprechenden Hersteller beteiligte. Letztlich scheiterte das Projekt der Deutschen Post aber an einer Vielzahl von Gründen. So wurde das Fahrzeug selbst immer wieder kritisiert. Und zwar nicht nur von vermeintlichen Fachleuten, sondern vor allem auch von den Zustellern, die damit im täglichen Betrieb arbeiteten. Außerdem erwies sich der Verkauf an die Deutsche Post im Nachhinein als nicht besonders glücklich. So kam es im Laufe der Jahre zu mehreren Strategiewechseln – von denen sich allerdings keiner als erfolgreich erwies. Außerdem verpasste der Konzern es rechtzeitig einen weiteren Investor mit an Bord zu holen.


Via: Wirtschaftswoche

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