Die iranische Stadt Bandar Abass liegt im Süden des Landes direkt an der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Es ist also kein Wunder, dass sich dort auch einer der größten Übersee-Häfen des Irans befindet. Dieser wurde in den letzten Jahren zudem erweitert und modernisiert. Das ansonsten geschäftige Treiben dort kam vor knapp zwei Wochen aber zu einem abrupten Halt. Softwareprobleme verhinderten die ordnungsgemäße Abwicklung des Warenverkehrs. Für die ohnehin von internationalen Sanktionen und dem Verfall des Ölpreises gebeutelte iranische Wirtschaft war dies ein schwerer Schlag. Die Washington Post enthüllte nun, was hinter dem vorübergehenden Ausfall steckte: Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um einen israelischen Cyberangriff. Wie viel Schaden dieser anrichtete ist allerdings umstritten.


Bild: franek2 / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Der Cyberwar läuft schon seit einigen Jahren

Die iranische Regierung bestätigte die Probleme zwar grundsätzlich, spielte die Bedeutung aber herunter. So seien lediglich einige private Steuerungssysteme beschädigt worden. Die Zeitung zitiert aber auch einen Vertreter eines anderen Landes, der von deutlich größeren Schäden berichtet. Ganz ohne Vorgeschichte kam es nicht zu dem Angriff. Denn Israel und der Iran befinden sich schon seit längerem in einer lang anhaltenden Auseinandersetzung. So entwickelte Israel zusammen mit den Vereinigten Staaten im Jahr 2010 das Schadprogramm Stuxnet. Damit wurden die iranischen Atomanlagen angegriffen. Ende April dieses Jahres kam es dann zu einer Attacke auf zivile Wasser- und Abwasseranlagen in Israel. Zwar wurden dabei kaum Schäden angerichtet. Dennoch wertete die israelische Seite dies als Eskalation.

Es handelt sich um eine eindeutige Warnung

Denn erstmals zielte der Angriff nicht auf das Militär, sondern auf eine zivile Einrichtung. Deshalb tagte vor zehn Tagen das israelische Sicherheitskabinett und beschäftigte sich mit dem Angriff. Was genau dort besprochen wurde, ist natürlich nicht bekannt. Der jetzige Angriff auf den iranischen Hafen dürfte aber als eindeutige Warnung zu verstehen sein. Denn es wurde unter Beweis gestellt, dass Israel auch ohne Nutzung konventioneller Militärtechnik erheblichen Schaden innerhalb des Irans anrichten kann. Für die Zukunft soll damit wohl eine rote Linie etabliert werden: Angriffe auf zivile Einrichtungen sollen unterbleiben. Allerdings ist der Iran nicht der einzige Angreifer, der Israel regelmäßig ins Visier nimmt. So ist das Land jeden Tag tausenden Cyberangriffen aus aller Welt ausgesetzt. Die allermeisten können aber erfolgreich abgewehrt werden.


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