Bisher ist das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg für die beteiligten Akteure alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Denn die beiden Blöcke gingen erst im Jahr 2015 ans Netz. Für den Bau hat der schwedische Konzern Vattenfall mehr als drei Milliarden Euro investiert. Auch die Politik unterstützte das Projekt trotz zahlreicher Proteste von Bürgern und Umweltschutzorganisationen. Wirklich glücklich wurde Vattenfall mit dem Kraftwerk allerdings nie. Denn schon bald sorgte die voranschreitende Energiewende dafür, dass selbst moderne Kohlekraftwerke in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten. Der schwedische Konzern zog daher die Notbremse und beteiligte sich an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur im Rahmen des geplanten Kohleausstiegs. Die Folge: Zum Jahreswechsel wurde das gerade einmal gut fünf Jahre alte Kraftwerk vom Netz genommen. Im Gegenzug erhielt der Konzern eine staatliche Ausgleichszahlung.


Windstrom aus der Nordsee kann direkt verarbeitet werden

Diese eigentlich recht traurige Geschichte könnte nun aber doch noch ein Happy End erhalten. Denn auf dem Gelände soll nun ein riesiger Elektrolyseur zur Produktion von Wasserstoff errichtet werden. An dem Projekt beteiligt sind neben der Stadt Hamburg auch der Ölkonzern Shell, der Industriekonzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und der bereits erwähnte Energiekonzern Vattenfall. Der Standort gilt aus zwei Gründen als ideal für den Bau einer solchen Anlage. Zum einen ist er bereits an das Hochspannungs- und Fernstromnetz angeschlossen. Sauberer Windstrom aus Schleswig-Holstein sowie von Nord- und Ostsee kann daher direkt angeliefert und genutzt werden. Außerdem verfügte das Kohlekraftwerk über eine eigene Anlegestelle für Schiffe. Theoretisch kann der Wasserstoff also zukünftig auch über den Seeweg importiert oder exportiert werden. Läuft alles nach Plan soll der Elektrolyseur schon im Jahr 2025 den Betrieb aufnehmen.


Ab 2030 sollen alle großen Abnehmer an das Wasserstoffnetz angeschlossen sein

Mit einer geplanten Leistung von 100 Megawatt wäre er dann eine der größten Anlagen seiner Art in Europa. Dass ein solches Projekt in Hamburg geplant wird, ist zudem kein Zufall. Denn der Stadtstaat bemüht sich schon seit einiger Zeit um den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. So ist unter anderem die Installation eines rund 45 Kilometer langen Transportnetzes geplant, an das alle potenziellen Großverbraucher angeschlossen sind. Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks könnte zudem noch mehr entstehen. So ist unter anderem der Bau eines neuen Biomasse-Kraftwerks angedacht. Die Biomasse könnte ebenfalls per Schiff angeliefert werden. Die Abwärme von Elektrolyseur und Kraftwerk wiederum soll dann in das städtische Fernwärmenetz eingespeist werden. Umwelt- und Klimaschützer begrüßen die geplante zukünftige Nutzung des Kohlekraftwerks. Der Netzbetreiber Tennet allerdings könnte die Planungen noch erschweren. Das Unternehmen prüft aktuell, ob ein Teil des alten Kohlemeilers als Notreserve erhalten bleiben muss.

Via: Taz

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