Auf der Kälberwaid im Schwarzwaldstädtchen Mönchweiler entsteht eine Wohnsiedlung mit dem wohl ungewöhnlichsten Heizsystem der Welt, die zweite in Deutschland nach einer Siedlung in Reichenbach an der Fils. Die 100 Einheiten in den beiden Orten werden von Rohrleitungssystemen mit Energie versorgt. Darin zirkuliert Wasser mit einer Temperatur von rund zehn Grad Celsius, ob im Winter oder im Sommer. Jede Wohnung verfügt über eine Wärmepumpe, die das Temperaturniveau anhebt, bis es zum Heizen und zur Warmwasserbereitung ausreicht. Im Sommer bleibt die Pumpe abgeschaltet. Dann lässt sich das Wasser zum Klimatisieren nutzen, wenn das in den gut isolierten Wohnungen überhaupt nötig ist.


Bild: Naturstrom AG

Schon in 1,5 Metern Tiefe ist es warm genug

Die „kalte Nahwärme“, wie die Entwickler ihr Konzept nennen, bezieht ihre Energie aus dem Untergrund. In den Wohngebieten werden Bohrungen bis in eine Tiefe von bis zu 200 Metern abgeteuft. Dort unten liegt die Temperatur unabhängig von der Jahreszeit bei rund zehn Grad. Das reicht für gemütliche Temperaturen im Winter. In Reichenbach ist die Situation noch günstiger. Hier gibt es in einer Tiefe von 1,5 Metern ein Geothermiefeld, das genügend Energie liefert. Es hat eine Größe von 3900 Quadratmetern, die heute wieder landwirtschaftlich genutzt werden.

Kaum Isolierung für die Rohre

Geologische Untersuchungen zeigten, dass auch der Untergrund im Schwarzwald brauchbar ist. Er besteht aus so festem Stein, dass die Schächte von allein halten. Eine Betonauskleidung ist überflüssig. Das senkt die Kosten, die insgesamt aber höher sind als bei einer konventionellen Heizung, obwohl das Rohrsystem, anders als bei einem Fernwärmesystem, kaum isoliert werden müssen.


Der Wärmepumpen-Strom kommt vom Dach

Da die Wärmepumpen etwa ein Drittel ihrer Energie in Form von elektrischem Strom benötigen, werden auf den Dächern großflächig Solarzellen installiert. Die liefern Energie kostenlos, wenn sie sich amortisiert haben. In Reichenbach sorgt der Ökostromanbieter Naturstrom dafür, dass wirklich kein Kohlendioxid anfällt, auch wenn der Strom von den Dächern nicht ausreicht. „In Neubaugebieten mit geringem Wärmebedarf bietet kalte Nahwärme aufgrund der geringen Vorlauftemperatur im Wärmenetz eine effiziente, klimafreundliche Versorgung“, so Thilo Jungkunz, Leiter des Geschäftsbereichs Dezentrale Energieversorgung der Naturstrom AG.

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