Mäuse, die auf Grund von defekten Rezeptoren auf der Netzhaut blind waren, können nach einem Gen-Eingriff wieder sehen, wenn auch wohl mit Einschränkungen. Ehud Isacoff, Professor für Zell- und Molekularbiologie an der University of California, Standort Berkeley, bugsierte das Gen, das für die Bildung des Grünlicht-Rezeptors zuständig ist, mit Hilfe von deaktivierten Viren direkt ins Auge der Tiere. Einen Monat später wichen die Mäuse Hindernissen genauso geschickt aus wie Mäuse, die nachweislich sehen konnten. Isacoffs Team stellte fest, dass sie auch Bewegungen, Veränderungen der Helligkeit und Einzelheiten auf dem Display eines iPad wahrnehmen konnten.


Bild: Eye, randychiu, Flickr, CC BY-SA 2.0

Blinde sollen wieder lesen und fernsehen

Innerhalb der nächsten drei Jahre könnte eine vergleichbare Therapie für Menschen entwickelt werden, glauben die Forscher. Man könne voraussichtlich denen helfen, deren Blindheit auf einer Degeneration der Netzhaut beruht. Man könne den Patienten genügend Sehvermögen geben, dass sie sich selbstständig bewegen, lesen und fernsehen können, glauben die Wissenschaftler. „Bisher kann man die Degeneration allenfalls verlangsamen oder stoppen“, sagt Isacoff. „Eine Behandlung ist dagegen eine fantastische Sache.“

Lageplan im Kopf

Weltweit sind 170 Millionen Menschen von dieser Art der Blindheit betroffen. „Ich habe Freunde, die nicht einmal einen Lichtschimmer sehen“, sagt John Flannery, wie Isacoff Professor für Zell- und Molekularbiologie in Berkeley. In gewohnter Umgebung könnten sie sich zwar fortbewegen, weil sie eine Art Lageplan im Kopf hätte. Doch in einem Hotelzimmer müssten sie die Position der Inneneinrichtung zuerst erlernen.


Bisher sind Bildsensoren, die ins Auge eingepflanzt werden, die einzige Möglichkeit, Blinden einen Hauch von Sehvermögen zurückzugeben. Das Bild wird von einer Kamera eingefangen, die an einem Brillengestell befestigt ist. Bisher werden allerdings höchstens ein paar 100 Bildpunkte übertragen. Um scharf sehen zu können sind jedoch Millionen Pixel nötig.

Lösung nach zahlreichen Umwegen

„Dass unsere Technik funktioniert ist wirklich toll“, freut sich Isacoff. Vor allem, weil sie so einfach sei. „Man hätte sie schon 20 Jahre früher realisieren können“, so der Forscher. Doch auch er musste zahlreiche Umwege gehen, um schließlich bei der ganz einfachen Lösung zu landen.

via UC Berkeley

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