In den ersten Wochen der aktuellen Corona-Krise stieg die Nachfrage nach Milchprodukten in Deutschland kurzzeitig stark an. Offensichtlich haben sich viele Kunden erst einmal mit H-Milch, Käse und Butter eingedeckt. Doch diese zusätzliche Nachfrage konnte nicht verdecken, dass die Pandemie auch für die Milchbauern nicht ohne Folgen bleibt. Denn ein nicht unerheblicher Teil der hierzulande produzierten Milch wird exportiert. Im Zuge der Krise sind aber einige wichtige Auslandsmärkte – allen voran China – weggebrochen. Dadurch ist auf dem heimischen Markt aktuell mehr Milch im Angebot als Nachfrage existiert. Die logische Folge: Der Milchpreis ist stark gesunken. Für die Milchbauern wird dies zum Problem, weil sie so kaum noch kostendeckend arbeiten können. Die einfachste Lösung wäre es nun, die Milchmenge schlicht zu reduzieren.


Kühe Metangas
Foto: Curious Cows, Micolo J, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die Politik hat das Thema bereits auf dem Schirm

Das ist aber einfacher gesagt als getan. Denn Milch wird nicht von einem einzelnen Großbetrieb produziert, sondern von vielen unabhängigen Unternehmen. Eine Reduzierung der Milchmenge funktioniert aber nur, wenn alle – oder zumindest der allergrößte Teil – mitmachen. Andernfalls droht die Gefahr, dass am Ende die Betriebe das Nachsehen haben, die weniger Milch produziert haben, während die Bauern, die weiter gemacht haben wie bisher, einseitig von den dann steigenden Preisen profitieren. Aus diesem Grund haben sich die Milchbauern nun an die Politik gewandt. Dort ist vor allem Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für das Thema zuständig. Tatsächlich hat sie sich auch schon per Brief an EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski gewandt und um Unterstützung gebeten. Konkret geht es um die finanzielle Förderung der sogenannten privaten Lagerhaltung.

Lagerhaltung ist langfristig keine Lösung

Vereinfacht ausgedrückt erhalten die Betriebe dann Geld, wenn sie ihre Milch nicht sofort verkaufen, sondern zunächst einmal einlagern – entweder in großen Tanks oder als Milchpulver. Dadurch könnte es gelingen, kurzfristig das Milchangebot auf dem Markt zu reduzieren. Langfristig verschiebt sich das Problem allerdings nur. Denn irgendwann muss auch die zunächst eingelagerte Milch verkauft werden. Diese Erfahrung machten die Betriebe jedenfalls vor rund fünf Jahren als schon einmal die Europäische Union um Hilfe gebeten werden musste. Die Bauerngruppierung „Land schafft Verbindung“ hat daher nun einen anderen Vorschlag zur Lösung des Problems präsentiert: Eine Art „Kurzarbeitergeld für Kühe“. Die Betriebe sollen also kein Geld dafür erhalten, dass sie Milch einlagern, sondern dafür, dass sie erst gar keine produzieren.


Die „Kurzarbeit“ ist gar nicht so einfach zu gewährleisten

Auch dieser Vorschlag ist aber nicht ganz frei von Problemen. So lässt sich die Arbeitszeit der Kühe nicht so einfach reduzieren wie bei menschlichen Arbeitskräften. Vielmehr müssen diese auch weiterhin regelmäßig gemolken werden. Im Stall lässt sich aber zumindest die Menge an produzierter Milch drosseln, indem schlicht weniger Kraftfutter zum Einsatz kommt. Bei Tieren, die auf der Weide gehalten werden, funktioniert dieser Trick allerdings nicht. Dort kann man den Kühen schlecht verbieten, das reichlich vorhandene Gras zu fressen. Letztlich würde eine solche Regelung daher vermutlich Betriebe benachteiligen, die auf Weidehaltung setzen. Außerdem gibt es auch einige rechtliche Probleme. So wären solche Zahlungen aktuell vermutlich nicht mit dem EU-Recht vereinbar. Eine Mehrheit auf politischer Ebene gibt es zudem bisher auch nicht.

Via: Süddeutsche Zeitung

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