Im nächsten Jahr stehen in Frankreich wieder Präsidentschaftswahlen an. Längst hat daher der Wahlkampf Einzug in die Politik erhalten. So gibt es aktuell nur wenige Themen, bei denen sich die verschiedenen politischen Blöcke einig sind. Umso bemerkenswerter ist es daher, dass eine Initiative zum Schutz von kleinen und unabhängigen Buchläden nun breite Unterstützung erhielt. Allerdings knüpft die Gesetzgebung auch an eine lange Tradition an. So werden die Preise für Bücher vom Staat fixiert. Ähnlich wie in Deutschland kosten sie also überall dasselbe, unabhängig davon, ob man sie im Internet bestellt oder beim Buchhändler um die Ecke erwirbt. Lediglich kleinere Preisnachlässe um bis zu fünf Prozent sind erlaubt. Gleichzeitig sind kostenlose Lieferungen bei Büchern untersagt. Dies betrifft insbesondere große Internethändler wie Amazon, die auf diese Weise oftmals versteckte Rabatte gewähren. Doch bisher wird das Gesetz recht offensichtlich umgangen.


Bild: Bookshelves, Germán Poo-Caamaño, Flickr, CC BY-SA 2.0

Der Staat gibt zukünftig eine Untergrenze für die Versandkosten vor

So bezahlt man teilweise bei Amazon in Frankreich für Bücher eine Liefergebühr in Höhe von einem Cent. Dies ergibt natürlich nur wenig Sinn. Denn die Kosten für den Versand werden dadurch keineswegs gedeckt. Stattdessen entsteht ein erhöhter Verwaltungsaufwand für die Unternehmen. Es geht also ausschließlich darum, die gesetzlichen Vorschriften zu umgehen. Genau dies soll zukünftig aber nicht mehr möglich sein. Denn zukünftig werden staatliche Aufseher genaue Vorgaben machen, wie viel für den Versand eines Buches berechnet werden darf. Auf diese Weise soll ein fairer Wettbewerb zwischen kleinen Buchläden und Online-Giganten ermöglicht werden. Wie viele Sendungen von der neuen Regelung betroffen sein werden, lässt sich nur schwer abschätzen. Bekannt ist allerdings, dass im Jahr 2019 zwischen achtzig und neunzig Millionen Bücher online verkauft wurden. Ein nicht unerheblicher Teil davon dürfte bei Amazon bestellt worden sein.

Im Lockdown erstattete der Staat die Versandkosten stationärer Händler

Frankreichs traditionelle Unterstützung für kleine Buchläden trägt durchaus auch Früchte: So gibt es dort noch immer 3.500 unabhängige Buchläden, die nicht zu einem größeren Konzern oder einer Kette gehören. Dies sind dreimal mehr als in Großbritannien, wo Rabatte auf Bücher weit verbreitet sind. Während der Corona-Pandemie konnten die Buchläden ebenfalls auf staatliche Hilfe setzen. So bekamen stationäre Läden im zweiten Lockdown die Versandkosten für verkaufte Bücher vom Staat erstattet. Dies trug dazu bei, dass der Umsatz trotz der geschlossenen Verkaufsstellen immerhin bei siebzig Prozent des Vorjahresniveaus lag. Es zeigt aber auch, dass die Versandkosten bei der Kaufentscheidung der Kunden durchaus eine wichtige Rolle spielen. Im dritten Lockdown ging die Unterstützung dann sogar noch einen Schritt weiter: Bücher galten dann als Teil der Grundversorgung und durften auch weiterhin stationär verkauft werden.


Via: The Guardian

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