Lange Zeit wollten die Autobauer mit der Fertigung von Batterien nicht viel zu tun haben. Stattdessen hofften sie, diese günstig bei Zulieferern einkaufen zu können. Doch letztlich erwies sich der Akku bei Elektroautos als zu bedeutend. Immerhin handelt es sich um das mit Abstand teuerste Bauteil. Gibt man hier Kompetenzen ab, droht ein nicht unerheblicher Teil der Wertschöpfung verloren zu gehen. Nach und nach haben daher die meisten deutschen Autobauer in eigene Batteriefabriken investiert. Volkswagen baut in Salzgitter sogar eine eigene Produktion von Batteriezellen auf. Zukünftig könnte es in der Wertschöpfungskette zudem noch einen Schritt weiter zurückgehen. Denn der Wolfsburger Konzern will sich an kanadischen Minen und Minenbetreibern beteiligen. So soll der direkte Zugriff auf die wichtigen Rohstoffe gesichert werden. Dies wurde im Rahmen der Kanada-Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz bekannt gegeben.


Bild: Eckart Egger

Kanada verfügt über fast alle relevanten Rohstoffe

Für den Autobauer stellt dies einen Paradigmenwechsel dar. Denn bisher wurde die Beschaffung der nötigen Rohstoffe in den allermeisten Fällen Zulieferern überlassen. Elektroautos verändern hier aber die Kalkulation. Denn bei der Herstellung von Batteriezellen entfallen rund achtzig Prozent der anfallenden Kosten auf die benötigten Rohstoffe. Diese wiederum werden aktuell stark nachgefragt, so dass die Preise immer wieder in die Höhe schießen. Durch den direkten Zugriff auf einzelne Minen könnte diese Problematik zumindest ein wenig gelindert werden. Außerdem erhöht sich die Planungssicherheit. Dass Volkswagen ausgerechnet in Kanada ins Minengeschäft einsteigen möchte, ist kein Zufall: Das Land verfügt über große Vorkommen an beinahe allen für die Batterieproduktion relevanten Rohstoffen. Anders als etwa die Demokratische Republik Kongo handelt es sich zudem um eine stabile Demokratie mit einem etablierten Rechtssystem.

Mercedes wird Lithium aus einer kanadischen Mine beziehen

Folgerichtig will auch Mercedes auf dem kanadischen Markt in Sachen Rohstoffen aktiv werden. Bisher sind hier aber keine direkten Beteiligungen geplant. Stattdessen ist der Autobauer auf der Suche nach Kooperationen mit Fachfirmen aus der Branche. Ein Beispiel dafür könnte die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Rock Tech sein: Die Firma wird in Kanada eine Lithium-Mine errichten. Das dort geförderte Lithiumhydroxid wird dann nach Deutschland transportiert und dort veredelt. Mercedes verpflichtet sich vierzig Prozent der Jahresproduktion abzunehmen. Der Rest kann auf dem Weltmarkt verkauft werden. Ähnlich geht auch BMW vor. Der Münchener Autobauer kauft schon seit einiger Zeit selbst Rohstoffe für die Batterieproduktion ein und reicht diese dann an die Hersteller von Batteriezellen weiter. Auf diese Weise baut das Unternehmen nicht nur Expertise auf, sondern behält auch die Kosten unter eigener Kontrolle.


Via: Handelsblatt

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