München und Stuttgart. Beide stickoxidgeplagten Städte denken daran, Dieselfahrzeugen die Zufahrt zu verbieten, selbst denen, die der Euro6-Norm genügen. Das ist der derzeit der höchste Standard. Mindestens jedes zweite Auto hätte Innenstadtverbot. Von den Fahrzeugen, die Waren in die Städte bringen oder sie abholen, wären es fast 100 Prozent.


Durch eine Umrüstung könnten die Dieselfahrzeugbesitzer wieder eine Eintrittskarte lösen. BNOx heißt das vermeintliche Zaubermittel, das selbst ältere Dieselfahrzeuge umweltverträglich macht. Das System hat Twintec entwickelt, ein Unternehmen, das zur Schweizer Baumot-Gruppe gehört. Es löst ein Problem, an dem alle Abgasreinigungssysteme kranken. Sie knacken die Stickoxide erst bei einer Temperatur von 250 Grad Celsius, die nach einer längeren Fahrstrecker erreicht werden. Bis dahin strömen die Stickoxide nahezu ungebremst aus dem Auspuff.

Zusätzlicher Generator erzeugt aktives Ammoniak

Herkömmliche Systeme spritzen Harnsäure in flüssiger Form in den Abgasstrom. Die ist erst wirksam, wenn sie zu Ammoniak verdampft. Dazu sind relativ hohe Temperaturen nötig. Die Schweizer setzen einen Generator ein, der die Harnsäure in Ammoniak verwandelt, das dann in den Abgasstrom gedüst wird. Es entfaltet sofort seine Wirkung. Die Fachzeitschrift Auto Motor Sport hat kürzlich Abgasmessungen an zwei Euro5-Passat absolviert, von denen eins im Originalzustand, das andere mit BNOx nachgerüstet worden war. Letzterer unterschritt mit 49 Milligramm pro Kilometer sogar die besten Euro6-Fahrzeuge. Der Originalpassat emittierte mit 431 Milligramm pro Kilometer fast zehnmal so viel.


Volle Wirkung nach einer Minute

Der Generator, der Harnsäure in Ammoniak verwandelt, wird von einem Teil des Abgasstroms auf Temperatur gehalten. Bei Kaltstarts und in Fahrsituationen, in denen die Temperatur zu niedrig sind, um Ammoniak zu erzeugen, schaltet sich eine elektrische Heizung mit einer Leistung von 400 Watt zu. Nach einem Kaltstart dauert es nur 60 bis 90 Sekunden, bis die maximale Reinigungswirkung erreicht ist. Das Systeme lässt den Treibstoffverbrauch allerdings ansteigen. Der BNOx-Passat verbrauchte im Test sechs, das Serienfahrzeug 5,8 Liter pro 100 Kilometer. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich bei einem ADAC-Test.

Baumot gibt die Nachrüstkosten mit BNOx mit 2000 Euro pro Pkw an. Lkw und Busse sind mit 12.000 Euro dabei. Die Stickoxidemissionen von Euro5- und Euro6-Fahrzeugen würden von 36.400 auf 3640 Tonnen pro Jahr sinken, also um 90 Prozent zurückgehen.

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