Wälder, Sumpflandschaften und riesige Graslandschaften sind nicht nur wichtig für das Ökosystem, sondern tragen unter anderem auch zum Klimaschutz bei. Grundsätzlich sind sich die meisten Regierungen daher einig, dass solche Flächen geschützt werden müssen. In der Praxis sieht dies allerdings anders aus. So reduziert sich die weltweite Fläche an Regenwald noch immer jedes Jahr. Die grüne Lunge unseres Planeten gerät dadurch immer stärker in Gefahr. Angeführt werden dafür oftmals wirtschaftliche Gründe. So spricht sich unter anderem der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro immer wieder für eine stärkere wirtschaftliche Nutzung des Amazonas-Regenwalds aus. Ihm zufolge könne es sich Brasilien schlicht nicht leisten, auf die so generierten Einnahmen zu verzichten. Eine neue Studie aus Großbritannien zeigt nun aber: Die Rechnung des Präsidenten könnte deutlich zu kurz greifen.


Der wirtschaftliche Gewinn in den nächsten 50 Jahren wurde verglichen

So haben Forscher der Cambridge University 24 noch weitgehend natürliche Flächen auf sechs Kontinenten genauer unter die Lupe genommen. Dabei gingen sie Forscher in einem zweistufigen Verfahren vor. Zunächst rechneten sie aus, welcher gesamtwirtschaftliche Nutzen von den Flächen ausgeht. Dabei spielten eine Reihe von Faktoren eine Rolle. So speicherten die dort wachsenden Pflanzen beispielsweise CO2. Jede Tonne wurde hier mit einem Wert von 22 Dollar angesetzt – was noch relativ konservativ ist. Weitere positive Faktoren könnten beispielsweise der Schutz vor Sturm- und Flutschäden sein. Anschließend erhielten die Forscher einen konkreten wirtschaftlichen Wert, den sie dann auf die nächsten fünfzig Jahre hochrechneten. Dieser Wert wiederum wurde dann verglichen mit den Gewinnen, die sich bei einer landwirtschaftlichen Nutzung ergäben.


Auf lokaler Ebene existieren schwerwiegende Fehlanreize

Das erstaunliche Ergebnis: In siebzig Prozent der Fälle wäre es auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller, die Natur einfach machen zu lassen. Die unberührten Flächen zu erhalten wäre demnach nicht nur aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes sinnvoll, sondern auch aus rein monetären Gesichtspunkten. Allerdings gilt es hier noch eine grundlegende Problematik zu lösen. Denn die Studie zieht natürlich nur eine Gesamtbilanz der wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Gewinne und Verluste hingegen fallen an unterschiedlichen Orten an. Für den kleinen Farmer am Rande des Amazonas macht es zunächst einmal auch wirtschaftlich Sinn, seine landwirtschaftlich genutzten Flächen auf Kosten des Regenwalds zu erweitern. Denn er kann dadurch die Einnahmen erhöhen, während die Kosten bei der Allgemeinheit anfallen. Es ist daher Aufgabe der Politik hier Mechanismen zu etablieren, um diese Fehlanreize zu beseitigen.

Via: The Guardian

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