Der Mercedes-Standort in Berlin-Marienfelde kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Ursprünglich wurden dort Schiffsmotoren zusammengebaut. Später liefen ganze Lastwagen, Feuerwehrautos und Busse vom Band. In der neueren Zeit wurden in der Fabrik unter anderem die Motoren für die erste Generation des Smart produziert. Zuletzt war das Werk dann auf den Bau von Dieselmotoren spezialisiert. Weil diese inzwischen aber als Auslaufmodell gelten, steht nun erneut eine vollständige Neuausrichtung an. Aus der altehrwürdigen Fabrik soll ein sogenannter „Digital Factory Campus“ werden. Dies klingt zunächst einmal nach einer Ansammlung von populären Schlagworten. Tatsächlich könnte sich dahinter aber ein durchaus spannendes Projekt verbergen. Denn es handelt sich um den Versuch, eine vollständig digitalisierte Autoproduktion aufzubauen – beginnend bei den Lieferketten bis hin zum fertigen Fahrzeug.


Bild: Daimler

Zumindest ein Teil der Arbeitsplätze kann erhalten werden

Damit wiederum dienen die hier entwickelten Ideen als Vorbild für alle dreißig Mercedes-Werke weltweit. In der Berliner Fabrik wird es also nicht darum gehen, möglichst große Stückzahlen zu produzieren. Stattdessen sollen neue und digitale Produktionsprozesse für einzelne Komponenten oder sogar gesamte Fahrzeuge entwickelt und getestet werden. Erweist sich ein Ansatz bei den Tests in Berlin dann als erfolgreich, kann er auch in den anderen Werken implementiert werden. Ausgerichtet ist das gesamte Projekt zudem auf die Elektromobilität. Für die 2.400 Mitarbeiter in Berlin stellt dies zumindest einen Hoffnungsschimmer dar. Denn sie mussten befürchten mittelfristig ihre Arbeitsplätze zu verlieren, weil Dieselmotoren kaum noch nachgefragt werden. Auch so dürften aber wohl nicht alle Jobs erhalten bleiben. Darauf deuten zumindest die angedachten Investitionssummen hin: Daimler und Siemens wollen jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag in das Projekt investieren.

Die Expertise der Bandarbeiter soll genutzt werden

Für eine vollständige Umrüstung im großen Stil wären aber wohl dreistellige Millionenbeträge nötig. Daimler spricht daher auch bereits von möglichen „personellen Anpassungen“. Gleichzeitig soll die digitalisierte Fabrik den Bandarbeitern aber auch neue Möglichkeiten eröffnen. So sollen diese soweit wie möglich zu IT-Fachkräften umgeschult werden, die dann auch eigene Applikationen entwickeln können. Weiterhelfen kann hier auch die Expertise von Siemens. Denn der Konzern verfügt über eine Programmier-Plattform namens „Mendix“, die auch mit IT-Grundkenntnissen bedient werden kann. Im Idealfall könnte so das Wissen und die Erfahrung der Bandarbeiter genutzt werden, um Applikationen zu entwickeln, die tatsächlich dem Bedarf in den Werkshallen entsprechen. Auch hier gilt dann: Gute Ideen könnten sogar weltweit ausgerollt werden. Wer den Sprung vom Bandarbeiter zum Digitalexperten nicht schafft, dem bieten sich in der Region zudem noch andere Möglichkeiten: Tesla sucht für seine Fabrik in Grünheide noch händeringend nach Mitarbeitern.


Via: Daimler

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