Der gestrige Sonntag war mal wieder besonders lang: Weil die Uhr in der Nacht um eine Stunde zurückgestellt wurde, dauerte der Tag 25 Stunden. Ein Geschenk ist dies allerdings nicht. Denn jedes Jahr im Frühjahr wird die Uhr eine Stunde vorgestellt. Dann dauert der Tag also nur 23 Stunden. Eingeführt wurde diese sogenannte Sommerzeit ursprünglich, um Energie einzusparen. In den letzten Jahrzehnten zeigte sich aber, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllte. Die EU-Kommission hatte daher vor einiger Zeit angekündigt, die Zeitumstellung in Europa abzuschaffen. Ursprünglich war sogar angedacht, in diesem Jahr letztmals an der Uhr zu drehen. Dieser Termin erwies sich aber als zu ambitioniert. Stattdessen wurde das Jahr 2021 angepeilt. Doch sicher ist auch dies noch keineswegs.


Ein Flickenteppich soll unter allen Umständen vermieden werden

Der Hintergrund: Innerhalb der Europäischen Union müssen einer solchen Änderung jeweils die Kommission, das Parlament und die einzelnen Mitgliedsstaaten zustimmen. Die ersten beiden Institutionen haben den Plänen auch bereits ihren Segen gegeben. Bei den Einzelstaaten ist die Sache aber komplizierter. Denn theoretisch könnte im Anschluss an die Abschaffung der Zeitumstellung jedes Land selbst entscheiden, ob es zukünftig die bisherige Sommer- oder Winterzeit nutzt. Dies aber könnte zu einem absurden Flickenteppich innerhalb Europas führen. Denkbar wäre etwa, dass Dänemark und Österreich die Winterzeit nutzen, während Italien und Deutschland auf die Sommerzeit setzen. Dann müsste jemand, der mit dem Zug von Kopenhagen nach Rom reist, dreimal die Uhr umstellen – obwohl alle vier Länder auf der Landkarte direkt untereinander liegen.


Die Mitgliedsstaaten können sich bisher nicht einigen

Dies wäre nicht nur für die Reisenden unpraktisch, sondern würde beispielsweise auch den Aufbau eines grenzüberschreitenden Bahnverkehrs erschweren. Um solche Auswüchse zu verhindern, müssten sich die Mitgliedsstaaten auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Genau dies ist bisher aber nicht gelungen. Die EU-Kommission wiederum kann zwar die Zeitumstellung abschaffen, nicht aber den Mitgliedsstaaten vorschreiben, in welche Zeitzone sie sich anschließend einsortieren. Wie so oft in der Europäischen Union setzt daher ein bekannter Mechanismus ein: Weil man sich nicht einigen kann, wird das Thema auf die lange Bank geschoben. Inzwischen ist daher sogar unsicher, ob das Thema in diesem Jahr überhaupt noch einmal auf Ministerebene diskutiert wird. Weil aber die Industrie eine gewisse Vorlaufzeit bei solchen Entscheidungen benötigt, könnte damit sogar die angepeilte Abschaffung 2021 in Gefahr geraten.

Via: Berliner Morgenpost

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3 Kommentare

  1. Christoph

    28. Oktober 2019 at 17:46

    Das wird nie abgeschafft. Die sollen mit den Diskussionen aufhören. Das ist Rumgelaber über ein Thema, bei dem jeder weiß, dass es zu nichts führt.

  2. Björn

    29. Oktober 2019 at 07:52

    Dann sollen die n Kompromiss finden und die Uhr um eine halbe Stunde verstellen!
    Das ist halt der große Nachteil an der Demokratie, es ist UNMÖGLICH es jedem Recht zu machen. Zum Kotzen!

  3. Oliver Petry

    29. Oktober 2019 at 11:00

    in welcher zeitzone sich man befindet spielt nur eine rolle wenn man an ein wirtschaftlich relevantes nachbarland angrenzt welcher sich vom eigenem land unterscheidet. für europa wäre das nur wichtig für die östlichsten ländr und für türkeiangrenzer – und evtl für grönland (dänemark). für alle anderen spielt es überhaupt keine rolle in welcher zeitzone sie verbleiben, das ständige wechseln ist schädlicher für wirtschaft des landes und die gesundheit der leute.

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