In den größeren Städten wird Wohnraum immer knapper und auch entsprechend teurer. Wohnungen in Hamburg-Mitte beispielswiese sind kaum noch bezahlbar. Oftmals schrecken aber auch die Zustände der Mietwohnngen schon ab. Eine praktische und auch günstigere Lösung möchte ein Berliner Architekten-Duo mit Minihäusern für Flach- und Parkhausdächer liefern. Unter dem Lable „Cabin Spacey“ wurde bereits eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne durchgeführt. Nun geht es an die Entwicklung eines Prototypen. Die Minihäuser sollen zusätzlichen Wohnraum schaffen und einfach auf die Dächer draufgesetzt werden. Ein Parkhaus in Berlin Kreuzberg hat bereits Interesse angemeldet. Die ersten Übernachtungen sind ebenfalls schon an Unterstützer verplant.


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Grafik: Cabin Spacey

Platz gibt es nur noch auf den Dächern

Über den Dächern von Berlin lässt es sich mit Sicherheit aushalten. Der freie Blick über die Landeshauptstadt, romantische Sonnenuntergänge im Spätsommer und kuschelige Silvesternächte mit bestem Blick auf das Feuerwerk, klingen durchaus überzeugend. Zusammen mit einem erweiterten Team haben Andreas Rauch und Simon Becker die geräumigen Minihäuser entworfen und wollen nun die Hülle in die Realität holen. Die finanziellen Mittel für diesen ersten Schritt konnten die dynamischen Gründer per Crowdfunding über Indiegogo einsammeln. Auch ist smart als Sponsor bereits angefixt.

Die Cabin Spacey sieht zunächst aus wie eine überdimensionale Holzschachtel mit bis zu 25 Quadratmeter Wohnfläche und einer großen Fensterfront. Im Inneren wird alles geboten, was der Mensch zum Wohnen braucht. Die Installation der Wohnhäuschen soll auf den Stadtdächern stattfinden, also genau da wo noch Platz ist.


Cabin Spacey Kampagne

Strom und Wärme liefert die Kraft der Sonne

Die Minihäuser sollen aus nachhaltigen Materialien gefertigt werden und genügend Platz beinhalten, um etwa auch ein Hochbett aufstellen zu können. Auf dem Hochbett liegend, kann der Bewohner dann durch ein großes Dachfenster direkt den Himmel betrachten. Dank eines leistungsfähigen Speichers, der im Boden der Holzkabinen verbaut ist, kann Strom aus der ebenfalls angebrachten Photovoltaik-Anlage zwischengespeichert werden. Eine Luft-Wärme-Pumpe sorgt im Sommer für Erfrischung und im Winter für einen warmen Po. Auf der Wohnfläche finden sich auch ein Bad, Tisch, Stühle, Sofa, Kochzeile und Staufächer wieder.

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Grafik: Cabin Spacey

Hauptzielgruppe sind digitale Nomaden

Das Konzept der Cabin Spacey- Gründer ist vorrangig auf die Bedürfnisse digitaler Nomaden zugeschnitten. Darunter fallen Menschen, die allein oder in einer Partnerschaft leben und die mit wenig Hausstand auskommen. Die Zielgruppe ist recht wandlungsfähig, was die Wohnungen anbelangt und verweilt nicht ewig an einem Fleck. Zudem wird oftmals auswärts gegessen. Es zieht die digitalen Nomaden immer dahin, wo der Job sie hinführt. Ein Minihaus kann dabei einfach per App gemietet werden. Das Prinzip soll dem des Carsharings ähneln. Alternativ kann dem Duo zufolge aber auch ein Minihaus für knapp 50.000 Euro fest erworben werden. Flexibel wären die Eigentümer dennoch, da die Häuschen auf einen Anhänger passen.

Rechtliche Hürden

So interessant das Konzept klingt, so schwierig dürfte es aber auch sein die Eigentümer von größeren Wohnhäusern und zuletzt auch deren Mieter davon zu überzeugen, die Minihäuser auf den Dächern installieren zu können. Auch knüpfen daran rechtliche Fragen an. Auf den Dächern müssten zusätzlich Geländer zur Sicherheit angebracht werden. Ein weiterer Punkt ist die Statik und auch ein Blitzschutz wäre keine verkehrte Angelegenheit. Weiter geht es mit der Problematik der vorgeschriebenen Fluchtwege. Der ebenfalls benötigte Postkasten und Zugang zum Minihaus sind noch die kleineren Übel. Auch die Wasserver- und -entsorgung sowie die Abfallbeseitigung sind Punkte, die bedacht werden müssen. Denkbar ist daher, dass zunächst Parkhausdächer als Versuchsplattformen realistischer sind. Interessenten gäbe es bereits. Und generell ist die Idee zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und die gigantischen Flächen von Flachdächern zu nutzen nicht verkehrt. Es müssen jedoch noch moderate Lösungen zu den angesprochenen Problemen gefunden werden.

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Wohnwagon

Der Tiny House Movement-Trend ist auch hierzulande vermehrt am Aufkeimen. Praktische, kleine Häuschen, die auch in der Natur aufgestellt werden können und bestenfalls auch noch weitestgehend autark sind, haben durchaus ihren Reiz und laden zum Entschleunigen ein. Es gibt bereits mehr als eine Hand voll kleiner Häuser, die schon für unter 45.000 Euro erworben werden können.

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Wohnwagon von innen Bild: Jana Frantal

Ein ziemlich gelungenes und in sich auch noch geschlossenes System, das ebenfalls in die Tiny House-Kerbe schlägt, ist auch der Wohnwagon, der in Österreich produziert und von da aus in die weite Welt verkauft wird. Kleiner, kompakter aber auch sich selbst mit Energie versorgend und wesentlich mobiler ist die Ecocapsule, die aus Bratislava stammt. Das Wohn-Ei für Selbstversorger kostet 79.000 Euro und ist ein echter Hingucker.

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