Bei großen Kinofilmen ist es ein wenig wie bei Investments in Startups: Von zehn produzierten Filmen erweisen sich im Schnitt sieben als Flop. In der Vergangenheit gab es aber noch eine Art Notausgang. Denn bei dem einen oder anderen Film gelang es, über Verkäufe von DVDs und Blu-rays doch noch die Gewinnschwelle zu erreichen. Inzwischen allerdings ist dieser Markt extrem geschrumpft. Gleichzeitig investieren auch die großen Streaminganbieter immer stärker in eigene Produktionen. Für den klassischen Hollywood-Film bedeutet dies: Die Studios brauchen dringend Kassenschlager, um nicht irgendwann finanziell auszubluten. In der Praxis führt dies dazu, dass immer öfter auf Fortsetzungen von etablierten Franchises gesetzt wird. Einzig große Namen wie Quentin Tarantino können es sich noch erlauben, regelmäßig ganz neue Stoffe zu verfilmen.


Der Algorithmus kann auf einen großen Datenschatz zugreifen

Das Startup Cinelytic möchte dies aber nun ändern. Kernstück dabei ist ein Algorithmus, der im besten Fall bereits im Vorfeld voraussagen soll, ob ein Film zu einem finanziellen Erfolg wird. Dazu hat die künstliche Intelligenz Zugriff auf die wirtschaftlichen Daten von mehr als 90.000 Filmen. Hinzu kommen noch Daten über rund 550.000 sogenannte Talente. Diese Kategorie reicht von Regisseuren über Schauspieler bis hin zu Drehbuchautoren. Die Daten sollen Auskunft darüber geben, wie sich die Teilnahme bestimmter Akteure auf das wirtschaftliche Ergebnis auswirkt. Am Ende steht dann eine konkrete Prognose über die Wahrscheinlichkeit eines finanziellen Erfolgs. Bei einigen Beispielen erwies sich der Ansatz als durchaus erfolgreich. So prognostizierte die KI für den Film „Gemini“ mit Will Smith einen finanziellen Verlust. Tatsächlich lagen die Ausgaben letztlich rund 100 Millionen Euro über den Einnahmen.


Sind Überraschungserfolge so noch möglich?

Viele Experten fürchten sich aber dennoch vor dem Einsatz eines solchen Algorithmus. Denn weil die Prognosen sich aus der Vergangenheit ableiten, besteht die Gefahr, dass zukünftig immer wieder die selben Stoffe mit den selben Stars verfilmt werden. Cinelytic-Gründer Tobias Queisser hält diese Angst allerdings für unbegründet. Stattdessen geht er sogar von einem gegenteiligen Effekt aus. Denn zum einen ist es durchaus denkbar, dass die Studios eher bereit sind, ausgetretene Pfade zu verlassen, wenn sie gewissermaßen die Rückendeckung der künstlichen Intelligenz erhalten. Außerdem ist es  möglich, das Ergebnis der Prognose noch zu verbessern – etwa indem man bestimmte Schauspieler austauscht. Auf diese Weise können auch Stoffe gerettet werden, die sonst in der Schublade gelandet wären. Dennoch dürfte es zukünftig noch schwieriger werden als bisher, einen Überraschungserfolg an den Kinokassen zu landen.

Via: Wiwo

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