Ist ein E-Roller eine echte Alternative zum knatternden Moped? Wir durften zwei Wochen lang den Neptun R von Trinity Electric Vehicles testen, um das herauszufinden. Die Firma Trinity ist eine unter vielen Anbietern von E-Rollern. Allerdings ist das Firmenkonzept etwas anders, als bei den meisten Mitbewerbern. Bei Trinity geht es nicht in erster Linie darum, möglichst billige Konkurrenzprodukte zu herkömmlichen Motorrollern zu schaffen. Die junge Firma aus Deutschland legt vor allem Wert auf Qualität, Technik und clevere Alltagslösungen. Damit sind ihrer Roller zwar etwas teurer, aber eben auch um das gewisse Etwas besser. Ob mich das als alteingesessenen Zweitakt-Fahrer überzeugen kann? Ich war erstmal sehr skeptisch.


Ecki auf dem schicken E-Roller; Bild@Eckart Egger

Retro-E-Roller mit herausnehmbaren Akku

Mein erster Gedanke, als der Roller geliefert wurde: Man, ist der groß. Durch seine Retro-Optik ist er sehr lang gestreckt. Nach der kurzen Einweisung in die technischen Besonderheiten eines E-Rollers (zum Beispiel einen Rückwärtsgang) hieß es erstmal Akku rausnehmen und in der Wohnung an die Steckdose hängen.

Gut ablesbares LCD-Display als Tacho; Bild@Eckart Egger

Akku rausnehmen? Richtig! Damit sind wir auch schon an einem der besten Punkte der Trinity Roller angelangt. Der Akku lässt sich nämlich ganz einfach entnehmen und überall laden. Wer keine Garage hat, in der eine Steckdose liegt, der hätte sonst ein Problem. Im Neptun versteckt sich die Batterie unter der Sitzbank. Mit einem einfachen Dreh am Verbindungsstecker ist der Energiespeicher frei und kann am einklappbaren Griff herausgehoben werden. Der riesengroße Vorteil daran ist, dass ich so auch bei der Arbeit oder bei Freunden laden kann.


Der Trinity Neptun im Video

Die erste Fahrt mit einem E-Roller

Mit dem mitgelieferten Schnellladegerät, war der Akku nach nicht einmal vier Stunden randvoll und ich war sehr gespannt auf die erste Fahrt. Schlüssel rein, einmal nach rechts gedreht, Stille. Das war am Anfang wirklich ungewohnt. Kein jaulender Anlasser, kein Geknatter, kein Gestank. Wenn ich sonst in die Redaktion fahre und morgens um sechs die Vespa ankicke, tun mir die Nachbarn manchmal schon ein bisschen leid. Beim Neptun erwacht beim Start nur das hervorragend ablesbare LCD-Display zum leben und der für einen Roller ungewohnt helle LED-Scheinwerfer erleuchtet unseren Hinterhof. Auf der Straße dann der erste zaghafte Dreh am „Gasgriff“ – geil!

Kurvenlage ist okay; Bild@Eckart Egger

Flüsterleise schiebt der Neptun nach vorn. Der maximal 4 kW starke Nabenmotor gibt seine Kraft direkt aus dem Stand ans Hinterrad ab. Kein zähes Hochdrehen wie bei einer Variomatik. Und das coole dabei: Ich kann per Knopfdruck am Lenker wählen, wie viel Power ich haben will. 25km/h oder 45km/h. Und für Überholvorgänge gibt es einen Boost-Knopf. Der Roller beschleunigt gleichmäßig und sanft durch und blitzschnell stehen die 45km/h auf dem Digitaltacho. Trotzdem fühlt sich der Antritt nicht unkontrollierbar an. Das Steuergerät gibt die Leistung des Elektromotors langsam mit steigender Geschwindigkeit frei und sorgt so für ein extrem sicheres Fahrgefühl. Dazu trägt auch die vollhydraulische Kombi-Bremse bei. Das System verteilt die Bremskraft gleichmäßig zwischen vorn und hinten. Dadurch sinkt das Risiko, dass eines der Räder blockiert und es so zum Sturz kommt. Allgemein fühlt sich die Bremse, nicht wie bei manchen anderen Rollern, ausreichend dimensioniert und gut dosierbar an.

Genügend Platz für Fahrer und Beifahrer

Nach der ersten ausgiebigen Runde durch die Stadt schaue ich etwas ängstlich auf die verbleibende Reichweite. Aber siehe da, über die Hälfte der Akkuladung steht noch zur Verfügung. Trinity gibt die Reichweite mit mindestens 50km an. Und das schafft der Neptun im Alltag mit seinem 2kWh Akku auch ganz easy. In den gesamten zwei Wochen, in denen ich den Roller testen konnte, habe ich es nicht einmal geschafft ihn komplett leer zu fahren. Wem das nicht reicht, der kann sich seinen Neptun auch mit doppelter Reichweite konfigurieren. Selbst zu zweit schrumpft die maximale Reichweite kaum. Apropos zu zweit. Weil während der Testzeit super Wetter war, bin ich oft mit meiner Freundin als Sozia unterwegs gewesen. Hier hat sich die große Sitzbank wirklich bewährt gemacht. Fahrer und Beifahrer haben ausreichend Platz und durch zwei ausklappbare Trittstufen kommen sich die Füße während der Fahrt nicht in die Quere.

Platz für zwei Personen, Bild@ Trinity Electric Vehicle

Was mir beim Fahren zu zweit allerdings negativ aufgefallen ist, ist die zu geringe Schräglagenfreiheit. In Linkskurven bin ich regelmäßig mit dem tief hängenden Seitenständer aufgesetzt. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob das nur mir so geht. Ich bin sonst größere Kaliber auf zwei Rädern gewohnt und fahre dadurch vielleicht auch anders, als der durchschnittliche Rollerfahrer. Ein weiterer Punkt ist der sehr breite Lenker. Dadurch fährt sich der Neptun zwar ausgesprochen relaxed, das Durchschlängeln durch den Stadtverkehr wird damit aber sehr schwer bis unmöglich.

Galerie vom Trinity E-Roller

Das Resume nach 14-Tage-Test

Was ist also das Fazit nach zwei Wochen E-Roller? Ganz einfach: ich bin begeistert. Man belästigt seine Nachbarn nicht mit Lärm und Gestank und ist dabei noch flinker unterwegs als mit einem herkömmlichen Roller. Der Preis ist mit 2.999€ zwar deutlich höher als bei anderen Mopeds, dafür bekommt man bei Trinity aber auch deutlich mehr geboten. Egal ob die voll LED-Beleuchtung, die hydraulischen Scheibenbremsen vorn und hinten oder der hohe Komfort für Fahrer und Beifahrer. Für mich ist der Neptun R eine echte Auto-Alternative für die Stadt und der ideale Einstieg in die Elektromobilität. Aber Vorsicht! Elektro macht süchtig!

Getestet hat den E-Roller für euch unser Ecki, den ihr von unseren Videos kennt.

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