Südöstlich von Bend in Zentral-Oregon entsteht derzeit das weltweit erste kommerzielle Kraftwerk für superheiße Geothermie. Das US-Unternehmen Quaise Energy treibt mit dem Projekt Obsidian eine Technologie voran, die Erdwärme aus Tiefen erschließt, die für klassische Bohrverfahren unerreichbar sind. Herkömmliche Geothermiekraftwerke sind auf wenige Regionen mit vulkanischer Aktivität nahe der Oberfläche angewiesen. Quaise will diese Grenze auflösen und Erdwärme praktisch überall verfügbar machen. Statt mechanischer Meißel setzt die Firma dafür auf ein Bohrsystem mit Millimeterwellen, das Gestein durch gezielte Erhitzung zertrümmert statt es abzutragen. Bild: Quaise Energy Bohren mit Millimeterwellen Die von Quaise entwickelte Technologie stammt aus mehr als zehn Jahren Forschung am Massachusetts Institute of Technology. Sie soll Bohrungen auf Tiefen von über 5 Kilometern ermöglichen, wo Temperaturen herrschen, die deutlich über denen üblicher Geothermiequellen liegen. In solchem Gestein reicht die Hitze aus, um Wasser direkt in überkritischen Dampf zu verwandeln, der Turbinen mit einer Effizienz antreiben kann, die klassische Geothermie nicht erreicht. Damit will Quaise die Energieform von einem standortgebundenen Nischenverfahren zu einer weltweit einsetzbaren Quelle machen, die unabhängig von geologischen Sonderbedingungen funktioniert. Ein Bohrturm als Ausgangspunkt Für die praktische Umsetzung stellt der Bohrkonzern Nabors Industries einen eigenen Landbohrturm sowie sein Plattformsystem für Lagerstättenmodellierung, Bohrlochdesign und Bohrstrategie bereit. Ingenieur:innen beider Unternehmen wollen gemeinsame Daten und Betriebserfahrung nutzen, um die Bohrleistung zu steigern, Kosten zu senken und den Zeitplan des Projekts zu verkürzen. Die Zusammenarbeit der beiden Firmen reicht damit über eine reine Zulieferbeziehung hinaus und bündelt Bohrpraxis mit neuartiger Wellentechnologie. Vorbild für weitere Standorte Gelingt der Nachweis, dass sich superheißes Gestein wirtschaftlich anbohren und in Strom umwandeln lässt, könnte das Verfahren auch Regionen für Geothermie erschließen, die bislang keine klassischen heißen Quellen besitzen. Die Betreiber sprechen von einem Weg zu Kraftwerksleistungen im Gigawattbereich, wie sie bislang nur große Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke erreichen. Project Obsidian in Oregon soll dafür als erster Testfall dienen und zeigen, ob sich das Konzept vom Labor in den kommerziellen Dauerbetrieb übertragen lässt. via Quaise Energy Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter