Jeder kennt diese innere Stimme, die man zum Beispiel wahrnimmt, wenn man etwas still liest. Bisher war diese für andere Personen nicht wahrzunehmen, doch Forscher haben es nun erstmals geschafft, diese innere Stimme hörbar zu machen.


Wie entsteht Sprache im Gehirn?

Das Ziel ist es dabei natürlich nicht, Menschen wie im Roman „1984“ überwachen zu lassen, um bereits ungewünschte Gedanken zu erkennen. Viel mehr versprechen sich die Forscher davon eine Hilfe für Menschen, die nicht sprechen können – eine Art Sprachprothese. Wenn jemand mit uns spricht, aktivieren die entstehenden Schallwellen Neuronen in unserem Innenohr, die die Signale an bestimmte Teile in unserem Gehirn weiterleiten, welches diese dann als Sprache interpretiert. Die Forscher gingen der Frage nach, ob es einen Unterschied macht, ob die Worte dabei laut ausgesprochen werden, oder wie beim Lesen als innere Stimme verbleiben.


Dazu haben sie die Gehirne von sieben Personen, welche einer Epilepsieoperation unterzogen wurden, untersucht. Dazu setzten sie eine Methode ein, die sich Elektrokortikographie nennt. Dabei wird neuronale Aktivität mittels Elektroden gemessen, die sich auf der Oberfläche des Gehirns befinden. Die Forscher zeichneten die Aktivitäten auf, während die Personen einen Text von einem Videobildschirm vorlasen – einmal leise und einmal laut. Als Kontrolle zeichneten sie ebenfalls die Aktivität auf, während die Personen nichts taten.

Gedanken werden zum ersten Mal aufgezeichnet

Während des laut Vorlesens identifizierten die Forscher die Neuronen, die bei der Sprache aktiviert wurden und entwickelten für jede Person einen eigenen Decoder. Nach dem sie festgestellt hatten, welche neuronalen Muster mit bestimmten Wörtern korrelierten, setzten sie diesen Decoder beim stillen Lesen ein. Damit war es ihnen Möglich, Wörter von einigen Freiwilligen zu übersetzen, die diese nur gedacht hatten – anhand der neuronalen Aktivität.

Diese Ergebnisse wirken auf den ersten Blick zwar sehr ermutigend, allerdings ist man noch lange nicht so weit, um Menschen, die nicht sprechen können, helfen zu können. Dazu sind die Algorithmen, die nötig sind, um die neuronale Aktivität zu entschlüsseln, noch viel zu ungenau. Allerdings liefern diese Ergebnisse neue Einblicke und mit weiterer Forschung könnte es irgendwann möglich sein, eine Sprachprothese bereitzustellen.

Quelle: iflscience

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