Theoretisch ist unser Immunsystem durchaus in der Lage Krebszellen rechtzeitig zu zerstören. Das Problem allerdings: Unser Körper erkennt die Krebszellen nicht als solche und setzt daher die eigenen Abwehrkräfte nicht in Gang. Bereits seit den 1980er Jahren arbeiten Forscher daher daran, die körpereigenen Immunkräfte im Kampf gegen den Krebs zu nutzen. Bei Blutkrebs sind dabei schon erste vielversprechende Studien erfolgt – bei Tumoren allerdings erwies sich die Aufgabe bisher als schwieriger. Dem Mainzer Wissenschaftler Ugur Sahin und seinem Unternehmen Biontech könnte nun aber genau dies gelungen sein: Bei drei Patienten mit Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium konnte die körpereigene Abwehr dazu gebracht werden, die Krebszellen unschädlich zu machen.


Malignes Melanom mikroskopisch
Foto: Malignant Melanoma, Liver FNA, Direct Smear, Pap Stain, Ed Uthman, Flickr, CC BY-SA 2.0

Selbst die im Körper verteilten Metastasen wurden unschädlich gemacht

Die Vorgehensweise war dabei vergleichsweise simpel: Mit Hilfe von in den Körper gespritzten Nanopartikeln wurde dem Immunsystem eine Viruserkrankung vorgegaukelt. Daraufhin aktivierte sich das Immunsystem und richtete alle verfügbaren Abwehrkräfte gegen die vermeintliche Erkrankung. Die Nanopartikel enthielten dann wiederum Informationen über die Krebszellen und wiesen den Abwehrzellen gleichsam den Weg zu den Tumoren. Auf diese Weise konnten nicht nur große Tumore entdeckt und bekämpft werden, sondern auch sämtliche im ganzen Körper verteilten Metastasen konnten attackiert werden. Der große Vorteil einer solchen Behandlungsmethode: Anders als beispielsweise bei einer Chemotherapie muss der Patient keine gravierenden Nebenwirkungen in Kauf nehmen.

Die Technik lässt sich auf fast alle Krebsarten übertragen

Nach Angaben von Sahin könnte ein erster solcher Impfstoff bereits in rund fünf Jahren die Zulassung der Behörden erhalten. Der Clou dabei: Die grundlegende Technik lässt sich auf fast alle Krebsarten übertragen. Ist also ein erster Impfstoff erst einmal entwickelt, lässt er sich vergleichsweise schnell auch auf andere Varianten der Krankheit übertragen. Die Ergebnisse der nun durchgeführten Studie an Patienten wurden im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht. Sie sollen zudem auf dem in dieser Woche stattfindenden jährlichen Krebskongress der „American Society of Clinical Oncology“ präsentiert werden.


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