Die Frachtschifffahrt zählt zu den am schwersten zu dekarbonisierenden Branchen. Reedereien testen bereits rigide Segel, Wasserstoffantriebe und vollelektrische Fährkonzepte. Besonders schwierig gestaltet sich der Umstieg bei Massengutfrachtern, die täglich tausende Tonnen Rohstoffe über kurze Küstenrouten transportieren. Das südaustralische Bauunternehmen Adbri und die Reederei CSL Group haben nun ein Schiff in Betrieb genommen, das genau in dieser Nische ansetzt: Die MV Yampu ist der weltweit erste batteriebetriebene Massengutfrachter mit automatischer Selbstentladung.


Bild: CSL Group

Hybridantrieb mit finnischer Technik

Der 125 Meter lange Frachter transportiert Kalkstein vom Steinbruch Klein Point auf der Yorke-Halbinsel zum Zementwerk in Birkenhead bei Adelaide, eine Strecke von 68 Kilometern über den Gulf St Vincent. 227-mal im Jahr legt die Yampu diese Route zurück und befördert dabei insgesamt 2,7 Millionen Tonnen Kalkstein. Ohne das Schiff müssten Lastwagen dieselbe Menge über eine rund 480 Kilometer lange Straßenverbindung fahren.

Für den Antrieb zeichnet der finnische Technologiekonzern Wärtsilä verantwortlich. Das Herzstück bildet ein 6.758-Kilowattstunden-Batteriesystem mit einem Gewicht von 131 Tonnen und einer Leistung von bis zu 600 Kilowatt. Damit fährt die Yampu rund 40 Prozent ihrer Betriebszeit rein elektrisch, auch beim Manövrieren und Entladen unter Dieselkraft entlastet der Akku die Motoren zusätzlich. Aufgeladen wird die Batterie während der Liegezeiten in Birkenhead. Während sich die Schifffahrtsbranche für Langstrecken meist auf Ammoniak oder Wasserstoff konzentriert, setzt der Hybridansatz der Yampu auf sofort verfügbare Technik für kurze, dafür extrem häufige Routen. Im Vergleich zum Vorgängerschiff MV Accolade II spart die Yampu jährlich mehr als 500.000 Liter Diesel ein, die Abgasemissionen sinken um 40 Prozent, die Frachtkapazität steigt um 35 Prozent.


Ladung ohne Kräne und Handarbeit

Traditionelle Massengutfrachter benötigen händisches Umschichten der Ladung, um die Stabilität während des Ladevorgangs zu sichern. CSL hat dafür einen einzelnen Trichter entwickelt, der den Kalkstein automatisch im Laderaum verteilt. Am Zielhafen entlädt ein automatisierter Ausleger das Material mit einer Rate von 1.500 Tonnen pro Stunde, ganz ohne Kräne oder sonstige Hafeninfrastruktur.

Warum die Yampu noch nicht vollelektrisch fährt

Die Technik an Bord würde eine vollständige Elektrifizierung bereits erlauben. Es fehlt jedoch die Ladeinfrastruktur am Steinbruch Klein Point, die für ein schnelles Aufladen des 11.900 Tonnen schweren Schiffs während der kurzen Hafenzeiten nötig wäre. Größere Batteriepakete für die gesamte Strecke würden zudem so viel Gewicht hinzufügen, dass die Frachtkapazität sinken würde. Die Betreiber:innen peilen für den vollelektrischen Betrieb das Jahr 2031 an.

Der Name Yampu stammt aus den Sprachen der Narungga und Kaurna, den Ureinwohner:innen Südaustraliens, und bedeutet Delfin. Für CSL und Adbri markiert das Schiff einen pragmatischen Zwischenschritt. Es zeigt, dass sich Emissionen schon heute senken lassen, ohne auf die vollständige Elektrifizierung der Branche warten zu müssen.

via CSL Group

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