Meerwasserentsalzung und Energieerzeugung als »Nebenprodukte« eines schwimmenden Rechenzentrums? Bislang galt die KI vor allem als gigantischer Stromverbraucher – doch das neue Konzept »Blue Economy VITAL 100 MW Kraaken« der Firmen InMar Technologies und des Energiesystem-Entwicklers OptiFuel Systems unter ihrer maritimen Technologiepartnerschaft Optimal Transit macht den Konsumenten auch zum Erzeuger.


Ein digitaler Entwurf der Anlage / Foto: Optimal Transit
Ein digitaler Entwurf der Anlage / Foto: Optimal Transit

Insgesamt 100 Megawatt kontinuierliche Leistung geplant

Das Projekt aus Beaufort, South Carolina (USA) vereint auf einem beweglichen Schiff die Offshore-Stromerzeugung, die Meerwasserentsalzung und die Rechenleistung für künstliche Intelligenz. Wenn es fertiggestellt ist, soll das System eine kontinuierliche Leistung von 40 Megawatt haben, für rund 32.000 Haushalte rund um die Uhr. Weitere 60 Megawatt bleiben für den Betrieb des Rechenzentrums. Gleichzeitig sollen jeden Tag 30 Millionen Liter Süßwasser entstehen, ausreichend für 150.000 Menschen. Das Herzstück der Anlage bildet der »Digital Ocean Thermal«-Antrieb, eine weiterentwickelte Form der Ozean-Wärmeenergie-Umwandlung (OTEC). Diese nutzt den Temperaturunterschied zwischen dem warmen Oberflächenwasser des Meeres und dem kälteren Tiefenwasser.

Doppelrumpfschiff mit kleiner Wasserlinienfläche

Die Abwärme der flüssigkeitsgefühlten Server verstärkt den Prozess. Die gleiche thermische Infrastruktur soll zusätzlich die Vakuum-Entsalzung betreiben. Das Schiff folgt dem SWATH-Design (Abkürzung für Small Waterplane Area Twin Hull, also: Doppelrumpf mit kleiner Wasserlinienfläche). Der doppelte Rumpf sorgt für den größten Teil des Auftriebs, er ist über schmale Streben mit der oberen Plattform verbunden. So bleibt die Anlage auch bei höherem Wellengang stabiler als herkömmliche Einrumpfschiffe. In ihrer 100-Megawatt-Version misst sie etwa 91 Meter und bringt rund 50.000 Tonnen Gewicht auf die imaginäre Waage. Ein schnell trennbares Leitungssystem verbindet das Rechen-, Energie- und Wasserzentrum mit dem Land. Bei Unwetter lässt sich das Schiff schnell lösen und kann mit bis zu 16 Knoten seinen Standort verlassen.


587 Millionen US-Dollar soll das Ganze kosten. Getrennte Anlagen an Land würden bei geschätzten 750 Millionen bis 1,33 Milliarden liegen. Fertig werden soll das Bauprojekt nach drei Jahren. Im Moment steckt alles noch im Konzeptstadium. Die anstehende neue Finanzierungsrunde im Jahr 2027 entscheidet über die tatsächliche Realisierung.

Quelle: newatlas.com 

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