Die ersten 1000 Lebenstage eines Menschen scheinen äußerst wichtig, wenn es um das spätere Alzheimer-Risiko geht. Durch einen Vergleich mit der Nachkriegsgeneration im Großbritannien fanden Forscher heraus, dass die damalige Zuckerrationierung überraschend positive Auswirkungen auf die Gesundheit im Alter hat, und zwar nicht allein bezüglich des Gehirnverfalls.


Brachte die Zuckerrationierung bis 1953 Vorteile für damalige Babys?

Alzheimer-Risiko sank um volle 46 Prozent

Die Wissenschaftler werteten die Daten von 60.394 Personen aus der UK Biobank aus.. Alle Probanden waren zwischen 1951 und 1956 geboren, also während und nach der Zuckerrationierung, die auf den Zweiten Weltkrieg folgte. 1953 endete die Limitierung, davor hatten Kinder unter zwei Jahren keine eigene Zuteilung des süßen Stoffs erhalten. Das Ergebnis der Untersuchung verblüffte: Wer die ersten 1000 Tage seines Lebens unter der Rationierung verbracht hatte, wies als Senior ein um 46 Prozent niedrigeres Alzheimer-Risiko – eine Reduzierung um fast die Hälfte. Für Demenz lag das Gesamtrisiko dieser Gruppe um 27 Prozent niedriger als bei den später Geborenen. Das Risiko für Depressionen hatte sich um 11 Prozent reduziert, das für Angststörungen sogar um 20 Prozent. Für Parkinson fanden die Forscher keine entsprechenden Unterschiede.

Während der Rationierung bekamen Erwachsene durchschnittlich 41 Gramm Zucker pro Tag, ab 1953 schnellte der Verzehr auf etwa 80 Gramm am Tag hoch. Bei Kindern erfolgte damals mehr als eine Verdoppelung des Konsums. MRT-Aufnahmen der Probanden, die ihre erste Lebenszeit unter Zuckerlimitierung verbrachten, zeigten durchschnittlich ein um 0,39 Jahre geringeres Gehirnalter im Vergleich zum biologischen Alter. Thalamus und Hippocampus waren in diesen Fällen größer ausgebildet.


Deutlichste Unterschiede bei langer Konsumeinschränkung

Die Wissenschaftler unterteilten ihre Teilnehmergruppen auch danach, ob die Rationierung schon während der Schwangerschaft begann und anschließend nach der Geburt bis zu zwei Jahre anhielt – oder nicht. Die deutlichsten Unterschiede ergaben sich bei einer Einschränkung im Mutterleib und lange danach. Eine alleinige Limitierung vor der Geburt war mit deutlich schwächeren positiven Folgen verbunden. Allerdings nutzte die Studie nur die Rationierungszeit als natürliches Experiment und kann damit keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen. Andere womöglich einflussreiche Bedingungen wurden nicht erfasst, auch die individuellen Zuckermengen je Kind sind unbekannt. Trotzdem kann ein Aufwachsen ohne oder mit nur sehr wenig Industriezucker für kleine Kinder nur förderlich und keinesfalls schädlich sein.

Quelle: focus.de 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.