Im Alter tun häufig die Gelenke weh – und auch Demenz ist eine Alterserkrankung. Nun stellten Forscher in einer großen Studie fest, dass sich bei Menschen oft der Gedächtnisverlust zügiger verschlechtert, wenn sie Glucosamin gegen ihre Gelenkschmerzen nehmen. Die Wissenschaftler konnten auch den biochemischen Prozess dahinter identifizieren. Bei dem betreffenden Stoff handelt es sich um ein Nahrungsergänzungsmittel: Für Patienten ist es leicht zu erwerben, was für eine starke Verbreitung sorgt.


Glucosamin für die Gelenke könnte Demenz verschlimmern

Rund 25 Prozent höheres Risiko für schnelleren Gedächtnisverlust

Glucosamin dient als Baustein für Gelenkflüssigkeit, Bindegewebe und Knorpel. Der natürliche Aminozucker soll Gelenkschmerzen lindern und den Knorpel bei Arthrose erhalten. Ärztliche Beratung ist nicht vonnöten, um es zu kaufen und einzunehmen. Die neue Studie aus den USA zeigt nun, wie wichtig genaues Hinsehen ist: Die Forscher der UF Health analysierten Hirnproben verschiedener Patienten, die mit Alzheimer gestorben waren, beschäftigten sich mit Patientendaten der Jahre 2021 bis 2024 und testeten Glucosamin an Mäusen. Sie stellten fest, dass Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung durch Alzheimer und ähnlichen Demenzformen bei dauerhafter Einnahme des Mittels oft schneller ihr Gedächtnis verlieren und eher sterben. Das Risiko liegt laut dieser Untersuchung bei rund 25 Prozent.

Glucosamin überwindet die Blut-Hirn-Schranke

Zucker und zuckerähnliche Substanzen wie das Glucosamin können die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Sie verbinden sich häufig mit Proteinen, helfen ihnen bei ihren Funktionen und stabilisieren sie. In den Alzheimer-Hirnproben stellten die Forscher ungewöhnlich viele Hyperglykosylierungen statt, also viel mehr Zuckerstrukturen als üblich – besonders häufig in Regionen fürs Gedächtnis und die geistige Verarbeitung. Matthey Gentry als Mitautor der Studie erklärt dazu: »Was wir bei Alzheimer gefunden haben, ist, dass dieses Zucker-Anhängesystem überaktiv zu sein scheint.«


Bisher kein Beweis der Kausalität, sondern nur Zusammenhang

Mit Glucosamin gefütterte Mäuse schnitten bei Tests zur sozialen Erinnerung schlechter ab als die Vergleichsgruppe. Auf die bekannten Tau-Veränderungen und Amyloid-Plaques hatte der Aminozucker keine Auswirkungen, er ist in einen zusätzlichen Mechanismus der Krankheit involviert. Gentry äußert sich vorsichtig: »Die Daten aus den elektronischen Gesundheitsakten sind sehr aufschlussreich. Auch wenn es sich um einen Zusammenhang und nicht um einen Beweis für Kausalität handelt, wirft es eine wichtige klinische Frage auf, die nun viel mehr Aufmerksamkeit verdient.«

Quelle: focus.de 

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